Für den Aktionskünstler Dies Irae gibt es keine Legitimation für Werbung im öffentlichen Raum. Sein Traum ist eine Stadt, die lieber coole Rezepte plakatiert als einen Hinweis auf das neueste Smartphone.

Der Künstler Dies Irae ist seit zwei Jahren in Berlin und dem Rest Deutschlands aktiv und stemmt sich gegen die Übermacht der Straßenwerbung. Zum einen plakatiert er Bushaltestellen oder öffentliche Werbeflächen mit eigenen Botschaften, und zum anderen verändert er Werbeplakate durch Übermalen oder das Aufkleben von Textbausteinen.

Die größte Intervention, die Dies Irae bisher gemacht hat, fand in Freital statt. Insgesamt 21 Plakatflächen wurden vorübergehend mit eigenen Botschaften plakatiert, um Flüchtlinge willkommen zu heißen und Position gegen Fremdenfeindlichkeit zu beziehen.

Mit einer Warnweste ist alles möglich

Wichtigstes Hilfsmittel, um an die Flächen innerhalb der Werbekästen heranzukommen, ist ein Universalschlüssel zum Öffnen und eine Warnweste, um bei der Aktion möglichst professionell auszusehen. Je größer die Anzahl der Plakate und damit die Austauschaktion, desto eher empfiehlt es sich für Dies Irae, seine Aktivitäten in die Nacht zu verlagern. Besonders in Freital, wo der Aktionskünstler große Angst hatte, von Rechtsgesinnten auf der Straße verprügelt zu werden.

Plakat von Des Irae
© Des Irae
Plakat von Dies Irae in Freital

Ein Plakat vor dem Bundestag auszutauschen, sei allerdings auch problemlos bei Tageslicht zu bewältigen, sagt Dies Irae. Keiner würde ihn daran hindern, wenn er mit Warnweste und im besten Fall noch einer Latzhose bekleidet ans Werk gehe. Die meisten Menschen würden ihm sogar Platz machen, damit er besser arbeiten könne.

"Die Deutschen sind unwahrscheinlich autoritätsgläubig.“
Dies Irae, Aktionskünstler

Erlaubt sind seine Aktionen natürlich nicht, aber das strafrechtliche Risiko minimiert er dadurch, dass er die Plakate nicht klaut und sich so nicht wegen Diebstahl strafbar macht. Das die Firmen für einen kurzen Zeitraum ihre bezahlte Werbefläche verlieren, bereitet ihm aber keine Kopfschmerzen. Dies Irae findet es nämlich in keinster Weise legitim, dass wir im öffentlichen Raum mit Werbung bombardiert werden, die für Produkte steht, von denen wir nicht einmal wussten, dass wir sie überhaupt brauchen.