Ja, ja, in eurem Alter... Viele von uns kennen diese Situation: Wir werden von Älteren nicht ganz ernst genommen. Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert und andere Politiker ärgern sich darüber.

Kevin Kühnert, Vorsitzender der Jusos, ist 28 Jahre alt und in einem Fernsehinterview gefragt worden, ob er noch in einer WG lebe. Er hat dann unter dem Hashtag #diesejungenleute darüber getwittert.

Kühnert ist nicht der Einzige, der ein Problem damit hat, dass er wegen seines Alters weniger ernst genommen wird. 

Auch Ronja Kemmer von der CDU oder Ria Schröder von der FDP haben es satt, nicht für voll genommen zu werden. Sarah Philipp, 34-jährige Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der NRW-SPD, hat ebenfalls unter dem Hashtag getwittert.

Sie berichtet aus ihrem Arbeitsalltag: "Das fängt damit an, dass man in eine Sitzung kommt und gefragt wird: Für welchen Abgeordneten arbeiten Sie? Man wird gar nicht als Abgeordnete wahrgenommen, sondern es wird davon ausgegangen, dass man Mitarbeiter ist, oder Praktikant." Sarah Philipp arbeitet seit fünf Jahren in der Politik.

Alter ist relativ. Und ob eine Person mit 30 wirklich noch so jung ist, sei mal dahingestellt. Das Problem ist wohl eher der Altersdurchschnitt in unseren Parlamenten. Bundestagsabgeordnete sind im Schnitt 50 Jahre alt, Tendenz steigend. In den meisten Landtagen sind die Abgeordneten noch älter.

"Was ich auch oft gehört habe in den letzten Jahren: Das können sie ja noch gar nicht wissen, da waren sie ja noch nicht auf der Welt."
Sarah Philipp, Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der NRW-SPD

Hanna Fearns ist Unternehmensberaterin und Coach für junge Führungskräfte. Sie hilft Menschen, die nach dem Abschluss plötzlich Verantwortung für ein ganzes Team übernehmen müssen. Sie sagt, die Medaille habe zwei Seiten: Wir, die jungen Leute seien häufig am Anfang unserer Karriere voller Euphorie und Tatendrang, was auf alteingesessene Mitarbeiter eher bedrohlich wirkt.

Ältere Menschen fürchten den Tatendrang von Anfängern im Job

Es wirke arrogant, wenn wir frisch von der Uni kommen und gleich meinen, älteren Kollegen die Welt erklären zu müssen. Fearns rät deswegen, erst einmal die Sachgebiete der anderen kennenzulernen und dann mit Fingerspitzengefühl konstruktive Kritik einzubringen.

Politikerin Sarah Philipp wünscht sich mehr jüngere Menschen, die sich in der Öffentlichkeit verantwortlich zeigen:

"Wenn es nichts mehr Besonderes ist, dann wird man auch nicht mehr also etwas so besonderes oder exotisches wahrgenommen."
Sarah Philipp, Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der NRW-SPD