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Die Ehefrau und Mutter, Helene, aus Mareike Fallwickls Roman will oder kann einfach nicht mehr: Während des Abendbrots mit ihrer Familie springt sie wortlos vom Balkon in den Tod. Der Roman ist eine Spurensuche der Protagonistinnen, Helenes Tochter Lola und Helenes Freundin Sarah, nach dem Warum.

Triggerwarnung: Dieser Beitrag thematisiert Suizid und psychische Überlastung.

Helene hat drei Kinder, die Tochter Lola und die beiden Söhne Lucius und Maxi, und einen Mann. Als er eines Tages beim Essen nach dem Salz fragt, steht sie auf und springt vom Balkon im 12. Stock. Ohne ein Wort zu sagen: Anscheinend hatte sie nicht mehr die Kraft weiterzumachen. Sie wollte einfach nicht mehr.

"Es ist nur eine Seite, aber man will das Buch sofort weglegen, sich schütteln, etwas machen und klarkommen. Hat diese Helene das wirklich getan?"
Lydia Herms über den Roman "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl
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Sicherlich ein Schock für Helenes Familie aus dem Roman "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl, aber auch den Leser oder die Leserin lässt diese Szene nicht ungerührt.

"Und dann springt Helene vom Balkon. Während ihre Familie Abendbrot isst. Während sich das ganze Land im Lockdown befindet, wegen der Pandemie. Hat sie es deswegen gemacht? Wegen der Enge in der Wohnung zu fünft?"
Lydia Herms über den Roman "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl

Mareike Fallwickl bietet in ihrem Roman "Die Wut, die bleibt" genügend Sätze, genügend 'Material', um eine Antwort oder mehrere Antworten auf die Frage nach dem 'Warum' für den Suizid der Hauptperson zu finden. Beziehungsweise überlässt sie das Suche nach Antworten ihren beiden Hauptfiguren: Helenes Tochter Lola und ihrer Freundin Sarah.

Mit jedem Tag besser verstehen, weshalb Helene ihrem Leben ein Ende setzte

Lola trägt ihre Trauer und ihre Wut zum Boxtraining, zu dem sie mit ihrer Freudin Sunny geht, seitdem eine bedrohliche Situation mit fiesen Typen auf der Skatebahn vorgefallen ist. Der Roman beschreibt im Zeitraffer wie die beiden Freundinnen älter und reifer werden.

Sarah hingegen stürzt sich in Hausarbeit im Haushalt ihrer toten Freundin, sie betreut die Jungs, übernimmt – halb aus Mitleid, halb aus Scham – Helenes Rolle, während Helenes Mann weiter 'arbeiten geht'. Fast so, als wäre nichts geschehen. Mit jedem Tag, der vergeht, begreift Sarah mehr, was Helene als Frau und Mutter durchgemacht haben muss.

Das Buch

"Die Wut, die bleibt" von Maraike Fallwickl, Rowohlt, 375 Seiten, 22 Euro.