Die Digilantes sind die Superhelden des Internets: Ähnlich wie Clark Kent sind sie eigentlich langweilige Normalos, im Netz jedoch jagen sie Trolle, Neonazis oder Kinderpornografen. Das Onlinemagazin Fusion hat jetzt einen spannenden Longread über die Digilantes veröffentlicht.

Einer der Digilantes ist Einar Otto Stangvik. Der Norweger arbeitet für eine Zeitung als Software- und Security-Ingenieur. In den vergangenen zehn Monaten hat er im Netz Leute verfolgt, die kinderpornografisches Material runterladen. Er hat dafür ein Programm geschrieben, das die Metadaten von Bildern und Videos ausliest, die auf Sharingseiten im Netz veröffentlicht werden. Damit hat er 95.000 Leute identifiziert, die im vergangenen Jahr kinderpornografisches Material downgeloadet haben.

Erwischt

Zehn dieser Menschen hat Stangvik am Ende kontaktiert. Jeder davon hatte unterschiedliche Gründe, weshalb er das kinderpornografische Material runtergeladen hat. Ein anonymer verheirateter Mann versprach ihm: "Sie werden mich nie wieder auf solchen Seiten finden."

Support aus der Region

Die Digilantes haben viele regionale Supporter, die ihnen bei ihrer Hobbydetektiv-Arbeit helfen. Häufig sind sie damit technisch und personell besser aufgestellt als die Polizei. Das sagt auch Gabriella Coleman, die über das Hacker-Kollektiv Anonymous geforscht hat: Wenn es um Dinge wie Revenge Porn oder Kinderpornografie geht, sei die Polizei oft viel zu schlecht ausgerüstet, um die Täter zu schnappen. Diese Lücken füllen die Digilantes, Anonymous, die in Schweden Neonazis auf der Spur sind, oder der anonyme Hacker Phineas Fischer. Zur Erinnerung: Phineas Fischer hat sich in die Server von Sicherheitsfirmen gehackt hat, um zu beweisen, dass sie Spionagesoftware an repressive Regime verkauft haben, wo dann Oppositionelle damit gejagt werden.

Robin Hood im Netz

Dahinter steht häufig ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und Frust über die klassischen Ermittlungsbehörden: Einar Otto Stangvik sagt sogar, dass es in Sachen Kinderpornografie noch viele dunkle Ecken im Netz gibt, die die Ermittlungsbehörden einfach übersehen würden.

Die Kehrseite der Digilantes

Einar Otto Stangvik ist sich aber auch im Klaren darüber, dass er mit seiner Arbeit ganz leicht Existenzen zerstören kann. Denn aus der Cyberjagd kann ganz schnell eine Hexenjagd werden - wie zuletzt bei dem Zahnarzt Walter Palmer. Der hatte in Simbabwe den Löwen Cecil erschossen und sich nachher im Netz damit gebrüstet. Das war sicherlich keine gute Sache. Allerdings rechtfertigt das nicht, dass einige User im Netz dazu aufgerufen haben, seinen Ruf zu zerstören.

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