Allein auf Facebook werden täglich etwa 350 Millionen Fotos hochgeladen. Die Menschen teilen alles. Zum Glück schafft es nicht jedes Bild ins Netz. Doch es gibt Menschen, die sich das alles anschauen (müssen).

In modernen Unternehmen braucht jeder Job eine gut klingende Bezeichnung: Content-Moderator. Das hört sich ein bisschen nach Vermittlung, Schlichtung, vielleicht sogar Harmonie an. Ein Job, der Gutes tut. Bei dem man sich aber nicht wirklich gut fühlt.

Was sich ein Content-Moderator anschauen muss, gehört zu den Abgründen des Internets. Gewalt, Hinrichtungen, Kindes-Missbrauch - oder alles zusammen. 

"Es sind zigtausend versteckte Arbeiterinnen und Arbeiter, die für uns das Netz sauber halten!"
Moritz Riesewieck, Journalist

Moritz Riesewieck nennt es: Digitale Drecksarbeit. Sein Buch mit dem Untertitel "Wie uns Facebook & Co von dem Bösen erlösen" ist gerade bei dtv erschienen. Content-Moderator entscheiden für Firmen wie Facebook, Youtube oder Instagram, ob ein Bild oder Video online geht bzw. gelöscht wird. Dabei verstört es immer wieder, wenn man sieht, was Menschen alles teilen wollen:

Sich nackig machen, Tiere misshandeln, Gegenstände zerstören – das sind noch die harmlosen Varianten. Nach dem Motto: Ich erzähle es zwar meinen engsten Freunden nicht, dafür aber poste ich es. Facebook ist zum Beichtstuhl geworden. Je krasser mein Geständnis, desto besser! 

"Facebook ist wie ein Garten: wir wollen das wilde Internet zähmen, indem wir es einzäunen!"
Moritz Riesewieck, Journalist

Da auch in der distanzlosen Online-Welt ein bisschen Abstand gut tut, sitzen diese Menschen nur selten mitten unter uns, sondern arbeiten weit weg: in Manila, der philippinischen Hauptstadt. Rein zufällig ein sehr armes, sehr strikt-geführtes und sehr katholisches Land.

"Mit gewaltsamen oder pornografischen Inhalten dürfen Sie kein Problem haben."
Stellenanzeige für einen Content-Moderator auf den Philippinen

Dorthin ist Moritz Riesewieck gereist. In Eine Stunde Talk erzählt er von seinen Erfahrungen, wie Facebook uns vom Bösen erlösen will - und warum wir das verhindern sollten.