Bahnchef Richard Lutz hat es in einem Interview angekündigt: Oldschool-Bahntickets könnten langsam aber sicher abgelöst werden. Die Bahn plant, ein rundum digitales Ticket einzuführen.

Eingecheckt wird automatisch beim Einsteigen, abgerechnet dann nach tatsächlich gefahrener Strecke. Lukas Iffländer ist Vize-Vorsitzender vom Fahrgastverband Pro Bahn und erklärt, was Bahnfahrer zukünftig erwarten könnte. 

Flexibel abrechnen unterwegs

Noch sei nicht ganz klar, wie das neue System aussehen wird, aber es gebe schon einige Vorbilder, die noch mehr bieten als das klassische Handyticket, sagt Lukas Iffländer. Das sind etwa Ticketingsysteme, bei denen der Fahrgast an einem Terminal im Zug zum Beispiel per Barcode am Handy oder einer Chipkarte eincheckt. In den Niederlanden wird es schon eingesetzt und auch in Deutschland nutzen es einige Verkehrsverbunde. 

Auch die Bahn hat sich schon an solchen Systemen probiert. Methoden wie das "Touch & Travel" setzen auf die drahtlose Datenübertragung per NFC. Diese Technologie ist bei neuen Smartphones meist standardmäßig installiert. Und auch moderne Bankkarten funktionieren auf die gleiche Weise: Sie müssen nur noch über das Terminal geschwenkt werden. 

Das eröffnet viele Möglichkeiten für den flexiblen und ortsgebundenen Fahrscheinkauf. Für Lukas Iffländer ist eine gemischte Variante aus bewusstem Ein- und automatischem Auschecken die intuitivste und angenehmste Lösung. 

"Als effektivste Variante hat sich für uns Fahrgäste das 'Check-in und Be-out'-System erwiesen: Ich gehe bewusst rein. Beim Rausgehen aber kann ich nicht vergessen, auszuchecken, da das automatisch läuft."
Lukas Iffländer, Vize-Vorsitzender vom Fahrgastverband Pro Bahn

Vorteile sieht Lukas Iffländer vor allem für Leute, die keine Lust haben, "das Tarif-Abitur" zu machen. Also sich mit lästigen Fragen zu beschäftigen à la "Wo endet jetzt der Verkehrsverbund?", "Ist das noch Kurzstrecke oder schon ein normales Ticket?" Auch für Pendler könnten sich hier praktische Zusatzfunktionen ergeben: So könnte der Vielfahrer, der sich ständig ein-und-auscheckt, auf die Bahncard 100 upgegradet werden, wenn er die entsprechende Summe erreicht, skizziert Iffländer eine Idee.

Datenschutz macht Sorgen

Dennoch werden bei dieser Art des digitalen Kaufs natürlich mehr Daten erhoben als beim anonymen Barkauf am Ticketschalter. Und von der Aussicht, dass dadurch ein vollständiges Bahn-Bewegungsprofil gespeichert werden könnte, sind nicht alle begeistert.

Pro Bahn plädiert daher dafür, das digitale Ticketsystem als Zusatzangebot einzuführen. Am besten so, dass die Bahn nicht zu viele Daten sammeln kann. Eine datenschutzfreundlichere Option könnte eine nicht-personalisierte Chip-Karte sein, bei der der Fahrgast ein Guthaben auflädt.

"Es muss vor allem eine Möglichkeit geben, anonym zu fahren."
Lukas Iffländer, Vize-Vorsitzender vom Fahrgastverband Pro Bahn

Selbst, wenn es einige Hürden zu überwinden gibt, gilt das System als relativ genau, so Lukas Iffländer. Schwierigkeiten gibt es vor allem dort, wo es eine schlechte GPS-Abdeckung gibt. Aber auch da ließen sich technische Lösungen finden: "Da muss das System natürlich eine gewisse Kulanz haben."