Bürger zählen Schmetterlinge, Schwäne, Singvögel. Im Dienste der Wissenschaft. Das ist nichts Neues. Die digitale Wende ermöglicht Laien aber nun auch jenseits von Stift und Zettel an Forschungsprojekten mitzuarbeiten. Citizen Science wird das dann gerne genannt.

Aber ist das qualitativ wirklich etwas anderes als zuvor mit Bleistift und Papier? Wer entscheidet denn, was wie erforscht wird - haben die Bürgerinnen und Bürger da nun auch ein Wörtchen mitzureden? Oder steuern sie einfach als unbezahlte Arbeitskräfte die empirischen Daten bei, mit denen die Profi-Wissenschaftler dann nach Gutdünken verfahren? Sollten Hanna und Tom Normalbürger rein in den Wissenschaftsbetrieb? Oder schön Abstand halten, ihren eigenen Interessen und Leidenschaften nachgehen, ohne die in den universitären Betrieb einzuspeisen?

"Wer bestimmt denn, was geforscht wird in Deutschland?"

Mit diesen Fragen haben wir uns am 26. August 2015 im Digitalen Salon mit dem Titel "Everyone is a Scientist" beschäftigt. Geladen waren Maryam Foradi, David Ziegler und Miriam Brandt. Maryam Foradi arbeitet als Übersetzerin und Doktorandin am Open Persian Projekt der Universität Leipzig mit. Open Persian soll einerseits ein breites Publikum für klassische persische Texte interessieren. Selbst Menschen, die keine Silbe Farsi sprechen oder lesen können, sollen an Übersetzungen mitarbeiten können.

"Unser Ziel ist es, durch richtige Hilfestellung alles so vorzubereiten, dass die Benutzer etwas lernen können."

David Ziegler ist Biologe am Museum für Naturkunde in Berlin und arbeitet für die Plattform "Bürger schaffen Wissen“. Das Ziel dabei ist es, Bürgerinnen und Bürger für wissenschaftliche Forschung zu interessieren, sie mit Institutionen zu vernetzen und so Bürger-Wissenschaft zu stärken. Auf der Plattform findet sich auch das Projekt von Miriam Brandt mit dem Namen "Füchse in der Stadt".

"Citizen Science gibt es nicht umsonst. Es ist ein enormer Aufwand sowas auf die Beine zu stellen."

Miriam Brandt ist ebenfalls Biologin und arbeitet am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Seit Mai 2015 sind die Zuschauer und Zuhörerinnen des rbb aufgerufen, dem Sender mitzuteilen, wo sie Füchse gesehen haben.

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