Das Studieren per Webinaren führt zu den gleichen Leistungen wie über Präsenzveranstaltungen, fand ein internationales Forschungsteam heraus. Aber: Es macht wohl weniger zufrieden. Trotzdem: Für sie ist das Onlinestudium eine Chance für Staaten, die wenig Geld für den Bildungssektor haben.

Digitales Lernen funktioniert genau so gut wie durch die persönliche Teilnahme an Präsenzveranstaltungen, macht die Studierenden aber weniger zufrieden – zu diesem Ergebnis kommt die Studie eines internationalen Forschungsteams der University of California, der National Research University in Moskau und der Stanford University, die jetzt in einem Artikel im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht wurde.

Onlinestudium für MINT-Fächer

Für ihre Analyse haben die Forschenden 325 russische Studierende aus Studiengängen der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (kurz MINT) in drei Gruppen eingeteilt:

  • Onlinestudium mithilfe der E-Learning-Plattform OpenEdu
  • klassische Teilnahme an Kursen im Rahmen von Präsenzveranstaltungen an den Hochschulen
  • Mischform von Webinaren und persönlichen Treffen in Diskussionsgruppen

Nach einem Studienjahr haben die Studierenden aller drei Gruppen dann an den jeweiligen Prüfungen ihres Fachs teilgenommen. Das Ergebnis: Sie alle schnitten gleich ab, es gab keine signifikanten Unterschiede. Ihr Wissen schien also nicht davon abhängig, über welchen Weg ihnen die Hochschule den Lernstoff vermittelt hat.

Onlinestudium: Lernerfolg ist größer, Zufriedenheit nimmt ab

Die Gruppe der Online-Studierenden erreichte bei zwischenzeitlichen Tests sogar vergleichsweise mehr Punkte als die übrigen Studierenden. Die Teilnehmer der Präsenzveranstaltungen oder die Mitglieder der Mischform-Gruppe waren aber ein wenig zufriedener. Das macht Sinn, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat. "In einer normalen Präsenzsituation kommen halt zig Faktoren rein, die irgendwie nett sind", erklärt er.

"Die Studenten in der reinen Online-Gruppe waren im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen eher unzufrieden oder eben subjektiv nicht so glücklich."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Lehre ins Netz zu verlagern, spart wiederum Geld, schreiben die Studienautoren. Für sie ist ein reines Onlinestudium oder ein ergänztes E-Learning-Angebot eine auf Dauer kostengünstige Alternative zum Präsenzstudium – gerade für Länder mit wenig finanziellen Möglichkeiten im Bildungssystem, die sich zum Beispiel nicht viele qualifizierte Lehrende leisten können.

Denn: Durch das Onlineangebot können wesentlich mehr Studierende an den Veranstaltungen der Lehrkräfte teilnehmen als in den Hochschulräumen, erklären sie. Dieser Plan gehe zumindest für die MINT-Fächer auf.

80 Prozent der Kosten könnten im Vergleich zum Präsenzstudium mit digitalem Lernen gespart werden, erklären die Forschenden. Auch die Variante der Mischform spare den Hochschulen fast 20 Prozent ihrer Ausgaben.

Wissen online teilen und für alle zugänglich machen

In Ländern wie Russland, Indien oder China gebe es zum Beispiel einheitliche Lernplattformen, für die führende Hochschulen Onlineangebote in Form von Kursen und Seminaren zur Verfügung stellen. Diese könnten von anderen Bildungsinstitutionen für wenig Geld übernommen werden, so die Forschenden.