Ziegen schaden der Natur auf der australischen Insel Pelorus massiv. Dingos sollten die Tiere töten. Damit die Dingos aber nicht selbst übermäßigen Schaden anrichten, wollte man ihnen eine Giftkapsel implantieren - so der Plan.

Vor einigen Jahrzehnten fing alles ganz harmlos an: Ein Leuchtturm wurde auf der Insel Pelorus aufgestellt - als Warnung für die Schiffe. Darin wohnte ein Leuchtturmwärter, der etwas zu Essen brauchte. Also wilderte er ein paar Ziegen auf der Insel aus. Die vermehrten sich, und inzwischen leben rund 300 Ziegen dort.

Das gesamte Ökosystem ist durch die Ziegen gefährdet

Jeder Gärtner oder Winzer, der schon mal mit Ziegen zu tun hatte, weiß, dass Ziegen eine richtige Plage sein können: Sie klettern auf Bäumen, über Zäune und gelangen an die entlegensten Winkel, um dort alles kahl zu fressen. Auf Pelorus fallen viele Regenwaldpflanzen den gefräßigen Hornträgern zum Opfer. An manchen Stellen ist es dadurch schon zu Erosionen gekommen, die Erdrutsche verursacht haben. Dadurch ist das gesamte Ökosystem gefährdet.

Um die Wildziegen auf der Insel zu dezimieren, wurden Fallen aufgestellt und die Jagd mit Schusswaffen eröffnet - auch vom Hubschrauber aus. Das war nicht besonders erfolgreich: Zu Fuß kommt man auf der Insel schlecht voran, weil das Terrain schwierig ist. Und vom Hubschrauber hat man aufgrund der Bäume keine gute Sicht, um die Tiere zu erschießen.

Lasst vier Dingos den Job machen

Die Regierung entschied sich daraufhin, vier Dingos auf die Insel zu bringen, die die Ziegen jagen und töten würden. Dingos sind vor Jahrtausenden ausgewilderte Haushunde. Sie sind die größten Raubtiere Australiens.

Zwei Dingos wurden auf dem Festland gefangen und zur Insel gebracht. Zwei weitere sollten noch folgen, dazu kam es aber aufgrund von Kritik und Protesten nicht. Das Problem: Die Dingos werden nicht nur Ziegen töten, sondern auch andere Tierarten jagen.

"Auf Pelorus Island hat man etwas ganz Fieses gemacht: Den Dingos wurden Giftkapseln implantiert, die sich nach zwei Jahren auflösen und dann diese Dingos auch töten."
Mario Ludwig, DRadio Wissen

Das könnte der Umwelt genauso schaden, wie es die Ziegen tun. Aus diesem Grund wurden die Dingos mit einem GPS-Sender an einem Halsband ausgestattet. Außerdem wurde ihnen eine Giftkapsel implantiert, die sich nach zwei Jahren auflöst und die Dingos tötet.

Tierschützer protestieren, Umweltminister kippt das Projekt

Die Tierschutzorganisation Royal Society of the Prevention of Cruelty to Animals legte Beschwerde ein. Nicht weil die Ziegen oder die Dingos auf Pelorus ausgerottet werden, sondern, weil es für Dingos schwierig ist, eine Ziege schnell zu überwältigen und zu töten. Die Beute wird von den Dingos nur schwer verletzt und verendet dann qualvoll. Die australische Tierschutzorganisation forderte Scharfschützen einzusetzen.

Letztendlich kippte der australische Umweltminister das Projekt komplett, weil er davon ausgeht, dass die Dingos eher Jagd auf gefährdete Vogelarten machen. Was jetzt aus dem ursprünglichen Ziegenproblem wird, ist noch nicht geklärt.

Nicht zimperlich

Invasorische Arten sind in Australien immer wieder ein Problem: europäische Kaninchen, die Landstriche kahl fressen, orientalische Dromedare, die den Boden platt trampeln oder südamerikanische Aga-Kröten, die Gift absondern. Die Australier gehen mit Tierarten, die andere Tiere oder Pflanzen aus ihrer Umwelt verdrängen, nicht besonders zimperlich um: Sie werden zumeist abgeschossen, vergiftet oder mit Viren getötet.