Bisher wurden auf der ganzen Welt rund 700 Dinosaurierarten gefunden. Forscher aus Kanada haben jetzt aber Zweifel, ob diese Zahl stimmt. Sie vermuten, dass es weniger sein könnten, denn: Nicht alles am Dinoskelett ist symmetrisch. Die Folge: Vielleicht wurden viel mehr Arten beschrieben, als jemals über den Erdball wandelten.

Möglicherweise gibt es weniger Dinosaurier-Arten als bisher angenommen. Ein neuer Fossilienfund zeigt nämlich, dass die Schädel von Dinosauriern nicht immer symmetrisch sind.

Bisher ist es so: Wenn Paläontologen einen Teil von Schädelknochen finden, wird der Rest symmetrisch rekonstruiert. Anhand der Schädelform wird auch die Art mit bestimmt.

Hörner des Styracosaurus sind asymmetrisch

An einem sehr gut erhaltenen Schädel eines Styracosaurus haben Forscher der Universität Alberta in Kanada allerdings festgestellt, dass die Hörner am Schädel asymmetrisch angeordnet waren. Auf der einen Seite waren mehr Hörner als auf der anderen, außerdem waren sie unterschiedlich lang und zeigten auch in unterschiedliche Richtungen.

Hätten die Forscher den Schädel in getrennten Hälften gefunden, hätten sie denken können, dass es sich um zwei unterschiedliche Arten handelt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn.

"Es kann vorgekommen sein, dass Forschende, wenn sie einzelne Schädelteile gefunden haben, dachten: Ach, die sehen ja komplett unterschiedlich aus, das sind zwei Arten. Obwohl es tatsächlich eigentlich dieselbe Art ist."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Dinofossilien wurden möglicherweise falsch eingeordnet

Die Forscher aus Kanada glauben deshalb, dass einige Dinosaurierarten überprüft werden müssen. Es könnte nämlich sein, dass ältere Fossilien falsch eingeordnet wurden – und dass es am Ende weniger Dinosaurierarten gibt als bisher gedacht.

Bisher wurden ungefähr 700 verschiedene Arten gefunden, untersucht und benannt – von denen könnten aber einige wegfallen, wenn noch ein mal genauer nachgeschaut wird.

Die Art Rubeosaurus könnte wegfallen

Eine Art, genauer gesagt eine "Schwester-Art" des Styracosaurus, der Rubeosaurus, könnte dieser Prüfung tatsächlich zum Opfer fallen. Die Forscher der Universität Alberta schreiben nämlich in ihrem Fachartikel, dass der Rubeosaurus genau genommen – wenn man die Art anhand der Hörner klassifiziert – doch keine Schwester-Art des Styracosaurus ist, sondern ein Nachkomme. Demnach ist er keine eigene Art.

Der Styracosaurus, dessen Schädel komplett und gut erhalten gefunden wurde, lebte vor etwa 75 Millionen Jahren in Nordamerika. Er lief auf vier Beinen und war recht wuchtig und etwa fünf Meter lang. Der Schädel war ziemlich groß und auf der Schnauze hatte er ein großes Horn, das nach oben zeigt und Richtung Hinterkopf auf jeder Seite mehrere Hörner, die wie ein Fächer abstehen.