Mehrere arabische Staaten haben ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Sie werfen dem Land vor, Islamisten und islamistische Terrororganisationen zu unterstützen. Worum es genau geht, erzählt unsere Korrespondentin Sabine Rossi. 

Es ist die schwerste diplomatische Krise in der Region seit Jahren: Saudi-Arabien, Bahrain, Jemen, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar gekappt. Der Golfstaat soll islamistische Terrororganisationen unterstützen und damit die Region destabilisieren, so der Vorwurf.

"Ganz klar muss man sagen, diese Hilfe kam nicht offiziell vom Staat Katar. Wenn, dann sind das Spenden von reichen Kataris. Und die gibt es übrigens auch in allen anderen Golfländern."
Sabine Rossi, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin in Kairo

Zwar unterstützt Katar Gruppen in Syrien im Kampf gegen den bewaffneten Machthaber Assad, das aber tun andere auch, so Rossi. Katar stehe da erst mal auf derselben Seite wie Saudi-Arabien. Allerdings sind die Gruppen, die da unterstützt werden, vom Weltbild her für uns im Westen schwierig einzuschätzen, sagt unsere Korrespondentin.

Streit eskaliert

Dass nun mehrere arabische Länder ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen haben, kam für den kleinen Golfstaat zwar überraschend, sagt Rossi, doch schon seit Längerem herrscht Uneinigkeit zwischen Katar und seinen Nachbarstaaten. Ein Streit, der immer mehr eskalierte, so Rossi: "Das eine ist, dass es hier so eine Art Fakenews-Skandal gab. Da wurde die katarische Nachrichtenseite gehackt und auf einmal hieß es, der Emir von Katar habe sich sehr positiv über den Iran geäußert." Auch wenn Katar diese Äußerung bestreitet, hat das den Ruf bei den Nachbarn ruiniert, sagt Rossi.

"Katar ist eines der wenigen Länder am Golf, das noch Verbindungen zum Iran, nicht komplett die Leitungen gekappt und zum Beispiel Rohani zur Wahl gratuliert hat."
Sabine Rossi, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin

Erst vor zwei Wochen hatte US-Präsident Donald Trump sich bei einem Gipfeltreffen in Saudi-Arabien klar gegen den Iran ausgesprochen, den regionalen Rivalen des Landes. Dass es jetzt zum Eklat gekommen ist, könnte auch damit zu tun haben, dass sich Saudi-Arabien nach Trumps Besuch und Worten bestätigt fühlt und die Muskeln spielen lassen will, sagt Rossi:  

"Saudi-Arabien stößt sich daran, dass es jemanden gibt, der nicht mit auf Linie ist und der Kontakte zum Iran hält."
Sabine Rossi, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin

Katar hat die Vorwürfe strikt zurückgewiesen. Das Land bestreitet mit Terroristen zu kooperieren und auch ihr Nachrichtensnetzwerk Al Jazeera sei kein Propagandainstrument, sagt Rossi.

Am frühen Morgen hatte Saudi-Arabien angekündigt, die Grenzen zu Katar zu schließen und Diplomaten auszuweisen. Auch die Bürger Katars sind aufgefordert innerhalb von zwei Wochen in ihre Heimat zurückkehren. Katar selbst habe aber noch keine Diplomaten oder Bürger ausgewiesen und noch nicht völlig dichtgemacht, sagt Rossi. Nur die Flugverbindungen sind auf beiden Seiten eingestellt. 

"Eine Zeitung aus Dohar berichtet, dass die Menschen jetzt in die Supermärkte gehen und eilig einkaufen."
Sabine Rossi, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin

Etwa 40 Prozent der Lebensmittel werden über Saudi-Arabien ins Land transportiert, die Leute haben Sorge, dass es in der nächsten Zeit zu Versorgungsengpässen kommen könnte, so Rossi.