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Die Dating-App Bumble gilt als frauenfreundliche Tinder-Alternative. Der Schutz von Frauen ist nicht nur in den App-Richtlinien festgeschrieben, sondern wird auch konkret ausgestaltet – etwa mit einem Nacktfoto-Verbot. Jetzt geht Bumble noch einen weiteren Schritt: Bodyshaming jeglicher Art soll rigoros von der Plattform verbannt werden.

Die Zeit von Weihnachten bis Valentinstag ist beim Online-Dating die geschäftigste Zeit im Jahr. Zwischen Weihnachten 2019 und Valentinstag 2020 wurden allein über die Dating-App Bumble eine Milliarde Nachrichten verschickt, so das Unternehmen. Eine Milliarde Nachrichten, in denen es nicht nur ums nette Kennenlernen und Plaudern, sondern auch um Hass, Hetze und Missgunst ging.

Das macht eine Umfrage deutlich, die die Dating-App selbst in Auftrag gegeben hat: Fast ein Viertel der Dating-App-Userinnen und -User aus Großbritannien sind schon einmal Opfer von Bodyshaming geworden. Dagegen möchte Bumble ab diesem Jahr mit Algorithmen und Content-Moderatorinnen- und Moderatoren entschiedener vorgehen. Auch, wenn das mehr Kontrolle und Überwachung bedeutet.

Erst verwarnt, dann gelöscht

Wer in seinem Profil oder im privaten Chat eine Sprache benutzt, die Menschen aufgrund ihres Äußeren herabwürdigt, wird ab jetzt durch die Software getaggt. Darunter fallen schon Beschreibungen im Profil, die erklären, wie ein schöner Körper auszusehen hat. Getaggte Profile und Chats werden dann von Content-Moderatorinnen- und Moderatoren, die davor spezielle Schulungen zum Thema Diskriminierung erhalten haben, genauer untersucht.

"Bumble geht sogar soweit, dass es auch Beschreibungen im eigenen Profil untersagt, mit denen man erklärt, wie ein schöner Körper auszusehen hat."
Andi Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Sollte der Algorithmus richtig gelegen haben, bekommen die Userinnen oder User zunächst eine Verwarnung und werden bei erneuter Verwendung von diskriminierender Sprache dauerhaft von der Plattform verbannt. Bei Fällen, die nicht eindeutig einzuordnen sind, greift ebenfalls die Verwarnung oder das Verbot. Alles, was ansatzweise diskriminierend wirken könnte, ist untersagt, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andi Noll.

Einen Lernprozess anbieten

Mit dem Konzept der vorangehenden Verwarnung vertritt die Plattform einen erzieherischen Ansatz, denn sie geht davon aus, dass viele User und Userinnen die richtige Sprache erst noch lernen müssen, so unser Netzreporter. Die Content-Moderation ist deshalb auch angehalten, den Userinnen und Usern Hilfestellungen zu geben, wie man richtig kommuniziert, ohne andere Menschen zu verletzen, erklärt er.

"Bumble hat durchaus einen erzieherischen Ansatz und geht davon aus, dass Nutzer die richtige Sprache erst lernen müssen."
Andi Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

In den Richtlinien gibt es zum Beispiel auch den Rat, im Zweifelsfall einfach mal nicht über das Äußere zu sprechen, sondern andere Themen zu suchen.

Ein konsequenter Schritt

Dass die Dating-App diesen Schritt nun geht, sieht Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andi Noll als sehr konsequent im Sinne der Unternehmenspolitik an – und als absehbar. Denn die Regeln wurden in den letzten Jahren immer strenger. Seit 2016 sind beispielsweise keine Bikini- oder Badehosenbilder mehr erlaubt, genauso wenig wie Unterwäsche- oder Oben-Ohne-Selfies.

Allerdings gehen mit den strengen Regeln auch eine immer größere Überwachung einher wie jetzt beispielsweise das Scannen der privaten Chats, sagt Andi Noll. Diesen Preis nimmt Bumble offenbar in Kauf, um ein freundlicher und sicherer Ort sein und bleiben zu können.