Die Wikileaks-Alternative "Distributed Denial of Secrets" hat 269 Gigabyte Daten von US-Polizeibehörden ins Netz gestellt und macht Jagd auf Steuersünder. Twitter hat den Account der Enthüllungsplattform jetzt gesperrt.

Um die von Julian Assange gegründete Enthüllungsplattform Wikileaks ist es ruhig geworden. Das schafft Platz für andere Plattformen – und eine davon macht gerade Schlagzeilen: Distributed Denial of Secrets, die als Kollektiv betrieben wird, hat vor wenigen Tagen 269 Gigabyte Daten von US-Polizeibehörden ins Netz gestellt. Mit der Veröffentlichung der geheimen Daten wollen die Aktivisten Steueroasen das Wasser abgraben.

Twitter sperrt Account

Twitter hat den Account der Gruppe @DDoSecrets dagegen gerade gesperrt – außerdem alle verbreiteten Links auf die Webseite der Enthüllungsplattform. Das sei ganz klar ein Rückschlag für die Organisation, sagt unser Netzreporter Andreas Noll. Laut Twitter verstößt die Arbeit der Gruppe gegen die Richtlinien des Unternehmens. Weil hier private Informationen – eben die große Sammlung der Polizeidaten – verbreitet würden, die von Hackern gestohlen wurden.

Wikileaks darf Tweets verbreiten

Unserem Netzreporter kommt die Begründung seltsam vor. Wikileaks habe nämlich keine Probleme mit seinem Twitter-Account.

"Die Begründung von Twitter mutet schon etwas seltsam an. Wikileaks hat nämlich keinerlei Probleme mit seinem Account - und die haben genau das gleiche Geschäftsmodell."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Die Informationen über neue Leaks sollen jetzt über den Dienst Telegram verbreitet werden, hat DDoSecrets-Gründerin Emma Best in der Nacht angekündigt.

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Die Attraktivität der Gruppe, die sich selbst als "Transparenz-Kollektiv" bezeichnet, sei durch die Twitter-Sperre eher noch erhöht worden, sagt Andreas Noll – weil jetzt mehr über sie berichtet wird.

Wie relevant die Informationen sind

Distributed Denial of Secrets habe renommierte Medien-Partner wie etwa den Spiegel, berichtet unser Netzreporter. Das sei schon mal ein "Hinweis auf eine gewisse Qualität in der Recherche". Auch die Behörden nehmen die Enthüllungen der Plattform ernst: So überprüfe inzwischen etwa das Wiener Finanzministerium die Informationen der Hacker, berichtet der Standard.

Konkret geht es bei den Steuerleaks um vertrauliche Unterlagen aus dem Unternehmensregister der Bahamas. Laut der Informationen haben Prominente – unter anderem fällt der Name Uwe Seeler – in karibischen Steueroasen Gesellschaften gemeldet. Es geht also um Steueroptimierung oder sogar Betrug. Bei den Leaks der Polizeibehörden unter dem Namen #BlueLeaks geht es um interne, sensible Unterlagen verschiedener Polizeidienststellen und auch des FBI.

"Emma Best heißt das Gesicht der Organisation."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Emma Best ist (noch) nicht so bekannt wie Wikileaks-Gründer Julian Assange. Die Journalistin ist schon lange im Leak-Geschäft aktiv und kämpft seit vielen Jahren für mehr Transparenz. Anfang 2019 hat sie Distributed Denial of Secrets gegründet. Die Agenda sei klar, sagt unser Netzreporter: Die Gruppe sei kapitalismusfeindlich und verstehe sich selbst als antifaschistisch, antirassistisch und antisexistisch.