In unserer DNA steht, wer wir genetisch sind. Etwas Blut oder ein paar Haare reichen, um uns zu identifizieren. Oder eben ein wenig Luft: Britische Forschende haben jetzt bewiesen, dass sich DNA auch aus Luft isolieren lässt.

Mit den Haaren und Hautpartikeln, die wir verlieren, hinterlassen wir auch auf dem Boden oder im Wasser Spuren unserer DNA. Ähnlich sieht es bei Tieren und Pflanzen aus, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kerstin Ruskowski. Forschende sprechen dann von DNA, die in der Umwelt ist: die eDNA oder auch Environmental DNA.

"Bisher haben Forschende solche eDNA vor allem aus Wasser rausgefiltert, um zum Beispiel bestimmte Tierarten zu bestimmen oder um Fischpopulationen zu beobachten."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Es gibt auch schon länger die Vermutung, DNA ließe sich in der Luft nachweisen. Den Beweis dafür haben Forschende der Queen Mary University of London in ihrer Studie geliefert. Dafür haben sie Luftproben aus einem Raum mit Nacktmullen analysiert, die sie vorher durch einen Filter geschickt haben.

eDNA in der Luft: erster Beweis

Sie haben neben der DNA der Nacktmullen in der Luft auch menschliche eDNA nachgewiesen, die von den Forschenden stammt, die sich während des Versuchs um die braun-rosafarbenen Nagetiere gekümmert haben. Laut der Studienautorinnen und -autoren könnte diese Erkenntnis zum Beispiel der Forensik zu Gute kommen, wenn ein Tatort nach Spuren abgesucht wird.

Je größer die Räume sind, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, auf viele unterschiedliche eDNA in der Luft zu stoßen. Das wiederum mache es schwerer, die einzelnen DNA-Spuren zu identifizieren. Kleinere Räume wie etwa Fledermaushöhlen eignen sich daher für die Untersuchung besser .

Erkenntnisse für die Corona-Pandemie

Die DNA aus der Luft könnte zudem auch in der Coronavirus-Pandemie helfen, präzisere Maßnahmen durchzuführen. Laut den Forschenden werden Hygienemaßnahmen auf Basis physikalischer Gegebenheiten und Schätzung, wie weit Aerosole fliegen können, beschlossen. Die Viren werden über Aerosole in der Luft verbreitet. Mithilfe einer eDNA-Analyse der Luft könnte gezeigt werden, wo Aerosole genau auftreten und nachweisbar sind. Entsprechend könnten dann die Empfehlungen angepasst werden.