Mögliche Krankheiten anhand der eigenen DNA erkennen und präventiv handeln - das ist das neue Geschäftsmodell von Toshiba. Mark Benecke sagt: Das alles kann zum Monster werden, das uns böse behandelt.

Das japanische Unternehmen Toshiba will ein spezielles Verfahren entwickeln, um die menschliche DNA auszuwerten. Darüber hinaus will es die DNA auch analysieren, um zum Beispiel das Risiko zu ermitteln, dass die untersuchte Person Krebs oder eine andere Krankheit bekommt. Um Prozesse für dieses neue Geschäftsmodell zu entwickeln und zu optimieren, bittet Toshiba die eigenen Mitarbeiter, freiwillig eine DNA-Probe abzugeben.

DNA-Analyse und Präventions- oder gar Therapiemethoden auf Basis genetischer Informationen anzubieten, wird spätestens dann schwierig, wenn sie mit einem Geschäftsmodell verbunden sind und ein Unternehmen am Ende damit Geld verdienen will. Denn dann muss das Ganze nicht nur technisch funktionieren, sondern auch noch wirtschaftlich sein.

Krebsrisiko beziffern

"Prinzipiell ist das aber alles schon möglich", sagt der Kriminalbiologe Mark Benecke, der tagtäglich mit DNA und deren Auswertung zu tun hat. So lassen sich manche Erkrankungen oder Beeinträchtigungen per genetischer Analyse richtig erkennen - eine versteckte Trisomie zum Beispiel.

Bei anderen Krankheiten, etwa Krebs, lässt sich zumindest das Risiko spezifizieren. Manche, seltene Tumoren, sind genetisch bedingt. Das Risiko, an einer solchen Krebsart zu erkranken, lässt sich durch eine Genanalyse näher beziffern. In Zukunft werden wohl viele Krankheiten durch eine Genanalyse frühzeitig erkannt werden können.

"Der Fantasie, ein Geschäftsmodell auf Gen-Informationen zu entwickeln, sind keine Grenzen gesetzt."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Was macht nun eine betroffene Person, wenn sie weiß, dass sie ein erhöhtes Krebsrisiko hat?

Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt vor der psychischen Belastung und möglichen sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die ein positives Test-Ergebnis haben kann und empfiehlt, einen solchen Test generell nur unter bestimmten Voraussetzungen, nach eingehender Beratung und ausreichend Bedenkzeit durchführen zu lassen.

Mark Benecke weist auf einen weiteren diskussionswürdigen Aspekt hin: Unternehmen, die einen solchen Test und eine Analyse anbieten, könnten dann leicht dazu passende Produkte verkaufen, die zum Beispiel der Prävention dienen. Das können Pakete mit bestimmten Lebensmitteln sein genauso wie Medikamente, Seminare, Sportprogramme oder auch Berufsunfähigkeits- oder Verdienstausfallversicherungen. "Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt", sagt Mark. Die DNA-Auswertung inklusive der Produkte, die das Eintreten der Krankheiten möglicherweise unwahrscheinlicher machen, könnten so zum guten Geschäft werden.

"Hinter all dem steht ein Monster. Das kann sich freundlich verhalten und dich unterstützen. Oder eben nicht."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Noch brisanter wird es, wenn das Wissen über mögliche Erkrankungen nicht nur die getestete Person selbst hat, sondern womöglich auch das Unternehmen, das sie beschäftigt. Das könnte sie im Zweifelsfall einfach entlassen, wenn ihm das Risiko zu groß ist, dass der Mitarbeiter zu oft krank ist.

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