"Man nehme..." - Ja, es gibt so was wie ein Grundrezept für erfolgreiche Umstürze. Nämlich ökonomische und soziale Umstände, die Revolutionen überhaupt erst ermöglichen. Welche das sind und wie sie zusammenspielen, das erklärt der Soziologe Wolfgang Knöbl.

Wolfgang Knöbl ist Direktor am Hamburger Institut für Sozialforschung. Am 21. Januar 2017 war er auf Einladung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Die BBAW hatte zu ihrem "Salon Sophie Charlotte" geladen, unter dem Oberthema "Rebellionen, Revolutionen oder Reformen?"

"Soziale Revolutionen sind solche unglaublich schnellen Umbrüche in einer Gesellschaft, die sowohl zum Sturz eines Regimes führen, aber gleichzeitig auch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse dramatisch verändern."
Wolfgang Knöbl, Soziologe

Knöbl stellte so eine Art Anleitung zum Revolutionen-Machen vor, das Buch "States and Social Revolutions" der Revolutionsforscherin und Harvard-Professorin Theda Skocpol. Demnach gibt es Voraussetzungen, die in einer Gesellschaft gegeben sein müssen, damit eine Revolution erfolgreich sein kann. Klingt einfach. Ist es aber nicht.

"Zentral für Revolutionen ist, dass sich die Unzufriedenheit, die in einer Gesellschaft besteht, dahingehend äußert, dass sich Schichten, Klassen, Gruppen organisieren! Kein Revolution ohne Organisation!"
Wolfgang Knöbl, Soziologe

Und selbst wenn ein Umsturz erfolgreich sein sollte: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Revolutionäre nichts davon haben.

"In den seltensten Fällen profitieren diejenigen, die die Revolution initiiert haben, von dieser Revolution."
Wolfgang Knöbl, Soziologe

Wir senden diesen Vortrag mit dem Titel "Wie man Revolutionen macht! Zur Theorie erfolgreicher Umstürze" am 17. Juni 2017 - auf den Tag genau 64 Jahre nach dem Arbeiterstreik in der DDR.

Im "Salon Sophie Charlotte" ging es auch um die (tatsächliche? vermeintliche?) Generation der "68er". Haben die uns heute noch was zu sagen? Welche Parallelen lassen sich zur heutigen politischen Lage ziehen? Die Diskussion hieß "Verstörend normal? Jugendrevolten damals und heute" und es diskutierten die Historiker Silja Behre (Hebrew University Jerusalem) und Norbert Frei (Friedrich-Schiller-Universität Jena) unter der Moderation von Ulrich Raulff.

Norbert Frei in der Diskussion zum Thema "Verstörend normal? Jugendrevolten damals und heute"
"Auf den ersten Blick ist Donald Trump das Gegenteil von 68. Er ist nationalistisch, rassistisch, xenophob, anti-intellektuell und autoritär. Auf den zweiten Blick ist Donald Trump, Jahrgang 1946, generationell ein 68er."