Die Nachfrage nach Hunden ist in der Corona-Pandemie enorm gestiegen. Niemand möchte gerade alleine sein. In Großbritannien sind Hundeentführungen deshalb zu einem großen und lukrativen Markt geworden – und für Besitzerinnen und Besitzer zu einer großen Belastung.

Die Züchter in Großbritannien führen lange Wartelisten, in den Tierheimen stehen die Zwinger leer – die Corona-Pandemie hat die sowieso schon tierverliebten Briten noch tierverliebter werden lassen. Damit sind auch die Preise für Hunde enorm gestiegen. 2020 hat sich der Durchschnittspreis für einen Welpen auf fast 2000 Pfund, also circa 2300 Euro, verdoppelt. Besonders beliebte Rassen wie Spaniel, Golden Retriever oder Labradoodles sind noch teurer.

"2020 hat sich der Durchschnittspreis für einen Welpen auf annähernd 2000 Pfund verdoppelt. Für eine Französische Bulldogge werden schon mal 7500 Pfund auf den Tisch gelegt."
Christine Heuer, Dlf-Korrespondentin für Großbritannien

Diesen Trend haben auch viele Kriminelle mitbekommen und daraus ein lukratives Geschäft aufgebaut: Hundeentführungen. Sie spähen durch die Gärten in Wohnviertel oder geben an, vom Tierschutz zu sein. Die Zeitungen berichten sogar von Hunde-Raubüberfällen während des Gassi-Gehens.

Hunde-Detektive suchen gestohlene Tiere

Viele verzweifelte Hundebesitzerinnen- und -besitzer holen sich deshalb – wenn sie es sich leisten können – Hilfe bei einem professionellen Hundedetektiv wie Colin Butcher. Er teilt Hundediebe in vier Kategorien auf: das organisierte Verbrechen, Berufskriminelle, Gelegenheitsdiebe und Verrückte, die Haustiere stehlen, um anderen wehzutun. Die ersten drei Gruppen würden durch die erhöhte Nachfrage seit der Pandemie sehr gute Geschäfte machen, erzählt er.

Der ehemalige Polizist fahndet im südenglischen Sussex nach geklauten Hunden wie beispielsweise Hazel, einem knapp einjährigen Mischlingsmädchen. Becky Taylor, die Besitzerin von Hazel, bietet auf ihrem Bauernhof Tiertherapien für benachteiligte Kinder an.

Als sie vergangenes Jahr vom Füttern ihrer Pferde zurückkam, waren Hazel und ihre Hundemutter nicht mehr da. Kurz darauf kam der ältere Hund zurück und Becky Taylor konnte nur noch ein entferntes Bellen wahrnehmen, das sich mit Autogeräuschen vermischte und schließlich verschwand. Seitdem ist Hazel weg.

"Als ich aus der Scheune kam, waren Hazel und ihre Mutter nicht mehr da. Kurz darauf kam die Große zurück und ich hörte entferntes Bellen aus einem Fahrzeug. Seitdem habe ich Hazel nicht mehr gesehen."
Becky Taylor, Besitzerin des entführten Mischlings Hazel

Die Dognapper kamen sogar ein zweites Mal, wurden aber von Becky Taylor vertrieben. Mithilfe der notierten Autonummer des Lieferwagens sucht Colin Butcher jetzt nach Beckys Hund.

Erpressung von Lösegeld

Die Kriminellen machen nicht nur mit dem Verkauf von entführten Hunden ein gutes Geschäft, sondern viele nutzen die Hunde auch, um Welpen zu züchten und ihre Beute zu vervielfachen. Und dann gibt es noch diejenigen, die von den Besitzerinnen- und Besitzern Lösegeld erpressen. So zum Beispiel von Cintia Gardner, die einen verzweifelten Video-Aufruf ins Netz gestellt hat und darin die Entführer bittet, ihren Cockerspaniel Honey zurückzugeben – auch gegen Geld.

Viele sind bereit, mehr als 5000 Pfund zu zahlen, erzählt Wayne May, der für die Non-Profit-Organisation Doglost im Netz nach gestohlenen Hunden sucht. Das Problem dabei: Wer bereit sei, so viel zu zahlen, sporne damit die Hundeentführer noch mehr an, sagt er. Er rät deshalb eher zu einem Finderlohn, anstatt einer Prämie für die Entführer.

"Ich finde, man sollte lieber einen Finderlohn anbieten als eine Prämie. Aber jeder Hundebesitzer muss selbst entscheiden, wie er vorgeht."
Wayne May, Sprecher von Doglost

Cintia Gardners Hund ist nach vier Monaten wieder aufgetaucht. Becky Taylors Hund Hazel ist immer noch verschwunden. Bisher kommen die meisten Diebe, die überführt werden, mit einer Geldbuße davon. Tierschützer fordern deshalb dringend, dass Hundediebstahl mit mindestens zwei Jahren Haft bestraft werden sollte.