Während die türkische Lira aktuell dramatisch an Wert verliert, wird der amerikanische Dollar immer teurer – und damit immer mächtiger. Eine Währung, die ohnehin bereits die einflussreichste weltweit ist. 

Dass der Dollar aktuell so gefragt ist, liegt an der Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed (Federal Reserve System). Die hat die Investitionen zurückgefahren und behält den Dollar lieber ein. Damit wird  das Angebot von Dollar auf dem Markt knapper. Gleichzeitig hat die Fed die Leitzinsen angehoben. Das macht Investitionen in den Dollar von außerhalb wieder attraktiver, denn Anleger möchten natürlich möglichst hohe Zinsen bekommen.

"Vereinfacht gesagt führt das dazu, dass Anleger ihr Geld lieber in sichere Projekte in den USA investieren und nicht in politisch unsichere Schwellenländer."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Gleichzeitig ist die Konjunktur in den USA besser als erwartet. Auch das stärkt die Währung, weil die Nachfrage nach US-Dollar steigt. Weil aber alle weltweit wichtigen Geschäfte, wie zum Beispiel das Ölgeschaft, Frachtraten in der Schifffahrt oder auch Geschäfte zwischen Banken in aller Regel in Dollar abgewickelt werden, hat die Stärkung des Dollars globale Auswirkungen.

"Das betrifft vor allem die Schwellenländer negativ. Also Staaten wie Brasilien, Argentinien oder die Türkei, die sich gerade in einem wirtschaftlichen Aufholprozess befinden."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Denn weil die Anleger ihr Geld jetzt lieber in den USA als in diesen Schwellenländern anlegen, steht dort weniger Geld zur Verfügung. Zum Beispiel für neue Infrastrukturprojekte. 

"Der Status des Dollar als globale Leitwährung gibt dem Weißen Haus darüber hinaus weitere Einflussmöglichkeiten."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Mit dem starken Dollar im Rücken kann Druck auf andere Staaten ausgeübt werden. Im Hinblick auf die Türkei bedeutet das: Mit der Bekanntgabe, dass US-Präsident Donald Trump die Zölle auf Stahlimporte aus der Türkei verdoppeln will, ist der Wert der türkischen Lira rapide gesunken.

Die Folge: Viele türkische Unternehmen haben ihre Kredite in US-Dollar aufgenommen. Mit dem Wertverlust der Lira können diese Kredite kaum noch zurückgezahlt werden. Damit trifft Donald Trump die Wirtschaft in der Türkei noch viel härter als allein durch die erhöhten Zölle.

US-Dollar aktuell konkurrenzlos

Dieser Marktmacht des Dollars etwas entgegenzusetzen, wäre zwar wünschenswert, erklärt Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer. Die Aussichten dafür sind aber denkbar schlecht. Denn alle wichtigen Geschäfte werden in US-Dollar abgewickelt.

Es bräuchte eine Währung, in die Anleger genauso viel Vertrauen hätten, wie in den Dollar. Der Euro stellt aktuell keine Konkurrenz dar.

"Das Problem ist: Da fehlt im Moment die Alternative. Die Eurozone gilt jetzt nicht als der sichere Hafen."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Einzig in China gibt es Bemühungen, die Währung international zu etablieren. Damit der Renminbi Yuán aber wirklich eine Alternative zum Dollar darstellt, müssten zunächst das chinesische Finanzsystem transparenter gemacht und der Markt stärker für Ausländer geöffnet werden. Prozesse, die nicht so schnell realisierbar sind.