Heute vor 20 Jahren, am 5. Juli 1996, ist Dolly im Tierstall des Roslin-Institutes auf die Welt gekommen. Das Schaf wurde von Wissenschaftlern aus einer Euterzelle geklont und nach der vollbusigen US-Countrysängerin Dolly Parton benannt. Zunächst hatte das Klonen noch im Geheimen stattgefunden. Aber ein paar Monate später war in dem beschaulichen Roslin-Institut die Hölle los. Fernsehübertragungswagen belagerten das Institut und Fotografen bestürmten den Stall. Schnell wurde Dolly das berühmteste Schaf der Welt.

Laut Lehrbüchern hätte es Dolly gar nicht geben dürfen. Aber der Biologe Keith Campbell wollte einfach mal ausprobieren, ob aus einer reifen Körperzelle noch ein ganzes Tier werden kann. Denn im Grunde hat jede Zelle - beim Schaf und auch beim Menschen - alle Erbinformationen. Theoretisch müsste es also möglich sein, damit ein neues Tier zu züchten. Und das haben die Wissenschaftler damals erfolgreich ausprobiert.

277 Versuche später

Die Zellen, aus denen Dolly entstanden ist, waren ursprünglich Drüsenzellen aus einem Euter vom Schlachthof. Diesen Zellen wurden die Zellkerne entnommen und dann wurden sie in die Eizellen anderer Schafe gespritzt, deren Erbmaterial zuvor entfernt worden war. Und dann - nach 277 Versuchen - hat es endlich geklappt, diese Eizelle mithilfe einer Leihmutter auszutragen.

Zunächst wurde die Dolly-Methode als sehr zweifelhaft angesehen. Damals war es ein Dogma in der Biologie, dass aus reifen Zellen kein neues Lebewesen entstehen darf. Aber irgendwann hat sich dieses Dogma immer mehr aufgeweicht und mithilfe der Dolly-Methode sind viele andere Tiere entstanden - geklonte Mäuse, Rinder und andere Tiere.

"Klontechnik spielt beim Züchten von Zellen und Organen keine Rolle mehr."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

Die große Befürchtung damals war: Jetzt können auch Menschen geklont werden. Jeder durchgeknallte Diktator kann sich jetzt tausendmal selbst kreieren. Was damals vergessen wurde: Klone sind keine identischen Kopien, lediglich die Erbinformation stimmt überein. Es gab aber tatsächlich immer wieder Gerüchte darüber, dass Menschen geklont worden seien, bestätigt hat sich das jedoch nie. Auch einige Reproduktionsmediziner haben es angeblich versucht. "Es hat aber nie funktioniert", sagt der Wissenschaftsjournalist Michael Lange, "ich habe den leisen Verdacht, die wollten in die Medien kommen."

"Für die Wissenschaft war das Wichtige die Erkenntnis, dass tatsächlich das reife Erbgut von Körperzellen noch die Erbinformation enthält."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

Klonen spielt heute in der Forschung keine große Rolle mehr, aber es hat den Weg für IPS-Zellen bereitet. Das sind Zellen, die aus dem Gewebe heraus reprogrammierbar sind. IPS-Zellen sind eine neue Stammzellenart, die sich zu jedem Zelltyp des Körpers entwickeln lässt. Diese neue Methode, die es seit 2006 gibt, hat dazu geführt, dass das Klonen nach und nach aus den Labors verschwunden ist.