• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Um den ehemaligen US-Präsidenten zu besänftigen, spielten ihm die Mitarbeiter des Weißen Hauses Musik vor, hat Donald Trumps Ex-Sprecherin verraten. Besonders wirkungsvoll soll der Song "Memory" aus dem Musical "Cats" gewirkt haben. Wir klären, wie Musik unsere Gefühle beeinflusst und ob sie gegen Wut helfen kann.

Wer kennt sie nicht, die Ballade "Memory" aus dem Musical "Cats". Manche werden dadurch vielleicht aggressiv, weil sie sie schon derart oft gehört haben. Andere kommen bei den Klängen runter – so wie Amerikas Ex-Präsident - schreibt dessen frühere Sprecherin Stephanie Grisham in einem neuen Buch.

"Music Man" vs. Trump-Ausraster

Demnach soll es im Weißen Haus sogar einen eigenen Mitarbeiter gegeben haben, der nur der "Music Man" genannt wurde: Wenn der launenhafte Trump mal wieder am Ausrasten war, soll er ihm regelmäßig beruhigende Musik vorgespielt haben.

Ob Musik uns beruhigt oder aufpeitscht, kommt zum einen auf die Musik selbst an und zum anderen auf den eigenen Charakter, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck. Jeder Mensch habe seine ganz persönliche Entspannungsmusik. Ihn selbst hätte "Memory" zum Beispiel tatsächlich ein bisschen aufgeregt.

"Es ist nahezu unmöglich, Musik einfach so laufen zu lassen. Wir haben immer so einen Gefühlsdrive dabei."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Musik "einfach nur so" laufen zu lassen, ohne davon beeinflusst zu werden, funktioniert neurowissenschaftlich nicht, sagt Henning Beck. Denn unsere Synapsen verarbeiten Musik immer emotional.

Gehirn verarbeitet Musik immer emotional

Welche Musik als beruhigend wahrgenommen wird, sei häufig über Kulturgrenzen hinweg ähnlich: Musik, deren Takt sich an einem langsamen menschlichen Herzschlag orientiert zum Beispiel. Deswegen hätten auch alle Schlaflieder, die man Babys vorsingt, in allen Kulturen der Welt einen ähnlichen Rhythmus – weil eben genau der, diese Beruhigung auslöst.

"Bei Schlafliedern passt sich der Körper quasi physiologisch der Musik an – und dann geht alles so ein bisschen langsamer."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Babys mit Speed-Metal zu beruhigen, ist dagegen weniger erfolgversprechend.

Musik entsteht bei jedem Menschen im Gehirn ein bisschen anders, erklärt Henning Beck: Zunächst kommen die akustischen Sinnesreize in einer Art Filterstation im Gehirn an. Die sogenannte Heschel’schen Querwindung entscheidet dann, ob es sich um Einzeltöne oder zusammengehörige Melodien handelt.

Areale für Emotionen und Bilder

Die Musik wird aufgefächert und in Arealen verarbeitet – für Emotionen, aber auch für Bildverarbeitung. Denn immer, wenn wir Musik hören, sehen wir ja meistens auch etwas dabei. Und mehr noch: Das Gehirn analysiert die Feinstruktur der Musik und versucht, Erinnerungen aus ihr herauszuholen. Musikverarbeitung im Gehirn sei eine Art "Champions League des Denkens", so der Neurowissenschaftler. Denn nahezu jede Hirnregion sei irgendwie daran beteiligt.

"Wenn wir Musik hören, ist das quasi die Champions League des Denkens. Weil nahezu alle Hirnregionen mitspielen – wie in einem Orchester."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Musik werde oft ganz bewusst mit bestimmten Emotionen aufgeladen. Beispiel: Sportler hören vor dem Wettkampf eine kuratierte Musikplaylist, um sich in Stimmung zu versetzen und in einen ganz bestimmten körperlichen Zustand "hineinzuhören". Das funktioniere prinzipiell bei jedem Menschen, sagt Henning Beck: Man entscheidet für sich, welche Art von Musik einen beruhigt oder in gute Laune versetzt. Und wenn man sie dann hört, dann passt sich das Gehirn dieser Musik an. Encoding-Effekt heißt das in der Psychologie: Man speichert vorher ab, was man später erreichen will.

Musik kann Emotionen dämpfen – und verstärken

Mit Musik können wir unser Hirn aber nicht nur sozusagen umprogrammieren, sondern wir können unsere Gefühle, die sowieso schon da sind, damit auch noch zusätzlich verstärken. Beispiel: Oft hören wir schnelle, harte Musik, wenn wir wütend sind – und eher langsame, emotionale Klänge, wenn wir traurig sind. Das funktioniert also in beide Richtungen, so Henning Beck. Eine Studie zur weltweiten Nutzung von Spotify hatte vor zwei Jahren das Ergebnis, das auch die Tageszeit eine große Rolle spielt: Abends hören die Menschen generell eher ruhige Musik und tagsüber eher laute.

Musik hat einen massiven Einfluss auf unsere Emotionen. Und ja: Wir können unsere Emotionen auch konkret über Musik steuern. Vielleicht hat genau das ja tatsächlich bei Donald Trump geklappt.