Die Corona-Krise hat der Wirtschaft extrem geschadet. Doch während beispielsweise Deutschland versucht, mit Subventionsprogrammen das Bestehende zu retten, denkt Amsterdam über eine Neuordnung nach dem Donut-Prinzip nach. Der Vorteil: Die Wirtschaft würde nachhaltiger für Menschen und Umwelt.

Durch die Corona-Pandemie erlebt die Wirtschaft aktuell ein Tief. Mit staatlichen Subventionen sollen von der Krise besonders betroffene Branchen gerettet werden. Aber ist das der richtige Weg?

Die Stadt Amsterdam denkt einen anderen Ansatz. Hier sieht man in der Corona-Krise eine Chance, das Wirtschaftssystem grundlegend zu verändern. Dabei haben sie die sogenannte "Donut-Theorie" von Kate Raworth im Blick, mit deren Hilfe es zukünftig eine Kreislaufwirtschaft geben soll, die auf soziale und ökologische Aspekte setzt.

Sozial und ökologisch statt Dauermaximierung

In ihrer Theorie stellt die britische Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth die Welt als Donut dar – als ein rundes, frittiertes Gebäck. In der Mitte das gesellschaftliche Fundament, darum der Kreis aus Ökologie, Politik, Wirtschaft – alles harmonisch im Einklang. Ihre Vision einer neuen Ökonomie verspricht eine bessere Welt.

Sie will weg von einem konstanten Maximierungsverhalten – hin zu einem Wirtschaftswachstum, das sich an den tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen orientiert.

Denn: Ein steigendes Bruttoinlandsprodukt sage weder etwas über die Verteilung von Wohlstand innerhalb eines Landes aus, so die Wirtschaftswissenschaftlerin, noch mache es deutlich, welchen gesellschaftlichen Mehrwert geleistete Arbeit habe – Stichwort Pflegekräfte. Außerdem schade ständiger Konsum unserem Planeten.

Die "Donut-Ökonomie"

In ihrer "Donut-Theorie" arbeitet Kate Raworth mit drei Ebenen:

  • Die Mitte beziehungsweise das Loch des Donuts: Hier herrschen menschenunwürdige Verhältnisse. Das Leben der Menschen ist unter anderem von einem Mangel an Nahrung, Bildung, Wohnraum und auch schlechten Arbeitsbedingungen geprägt. Sie gilt es zu befreien.
  • Der Außenrand des Donuts: Er symbolisiert die begrenzten Ressourcenkapazitäten der Erde, die sich etwa im Klimawandel, verschmutzten Meeren oder dem Verlust der Artenvielfalt zeigen.
  • Der "Sweet Spot" oder die Glasur: Hier herrscht eine Balance von Ökologie, Politik und der Wirtschaft.

Recyceln, reparieren, teilen

Auf den "Sweet Spot", möchte Amsterdam durch einen entscheidenden Wandel des Wirtschaftssystems gelangen. Die Strategie der niederländischen Hauptstadt lautet: Recyceln, Reparieren und Teilen statt Besitzen.

Konsumgüter, Nahrung und Gebäude sollen durch diese Maßnahmen zu einer Kreislaufwirtschaft beitragen, die auf Wiederverwertung basiert, und sich von Neuproduktionen löst. Der Vorteil: Anders als bei einer globalisierten Lieferkette, fördert die Strategie der Stadt Amsterdam Arbeitsplätze vor Ort. Und der Umwelt kommt es auch zu Gute.

Weg von Neuproduktion und Konsum

Geht es um das Kombinieren von sozialen und ökologischen Lösungen, ist Amsterdam eine Vorzeigestadt, sagt Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Hier gebe es die nötige Struktur, um das Vorhaben tatsächlich umzusetzen.

Zum Beispiel setzt sich die niederländische Hauptstadt unter anderem für eine Steuerreform ein. Dadurch soll die Ressourcennutzung höher versteuert werden, die Löhne der Niederländerinnen und Niederländer niedriger. Das bedeutet: Der Preis eines Produkts würde neben den wirtschaftlichen- auch die ökologischen Kosten abdecken.

"Amsterdam ist die Vorzeigestadt bei diesem Thema. Eine Strategie ist geduldig. Man kann sie einfach aufschreiben. Aber in Amsterdam sind Strukturen dahinter, um das auch umsetzen zu können."
Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie