Rund um die südtiroler Gemeinde Mals liegt Europas größtes Anbaugebiet für Äpfel. Da wird ordentlich gespritzt. Die 5.000 Einwohner von Mals wollen auf ihren Feldern aber keine Pestizide einsetzen. 

Die Gemeinde Mals liegt im äußersten Westen von Südtirol und ziemlich hoch:  "Der niedrigste Punkt ist auf 900, der höchste auf 1.700 Metern", erklärt Neu-Malser Alexander Schiebel. Zum Herbstanfang fallen die Temperaturen in der Nacht schon auf null Grad. Das ist ein Grund dafür, weshalb gewisse Formen der Landwirtschaft noch nicht funktionieren - weiter unten ist das längst anders.

"Wenn ein Biohof neben einem konventionellen Hof mit den vielen Pestiziden liegt, dann bläst der Wind dem Biobauer den Dreck auf sein Feld."
Filmemacher und Neu-Malser Alexander Schiebel

Riesige Monokulturen aus Apfelbäumen prägen das Bild in den Tälern Südtirols. Das Interesse an den höher gelegenen Flächen wächst. Die Industrie-Apfelanlagen rücken immer näher an Mals heran: "Diese Landwirtschaft wollen die Malser vermeiden, weil sie wissen, dass das nichts bringt", erklärt Filmemacher Alexander Schiebel.

Filmemacher Alexander Schiebel war wegen anderer Dreharbeiten in der Region und ist kleben geblieben. Er ist nach Mals gezogen und hat einen Film über den Widerstand gemacht. "Ich war damals schon halb Filmemacher und halb Aktivist", gibt er zu. 

Gemeindedemokratie zu Umweltfragen

Neben den Monokulturen machten sich die Malser - vor dem Hintergrund des immensen Pestizideinsatzes um sie herum (55 Kilo pro Hektar) - auch Sorgen um ihre Gesundheit. "Jedes Jahr wird zwar eines der Gifte aus dem Verkehr gezogen, aber so richtig weiß keiner, ob es langfristig gefährlich ist", so Schiebel. Sie entschieden sich für eine Volksabstimmung auf Dorfebene.

"Für eine Abstimmung im Dorf braucht es doppelte und dreifache Courage, weil jeder mit allen anderen irgendwie verbunden ist - und auf irgendjemanden Rücksicht nehmen will oder muss."
Filmemacher und Neu-Malser Alexander Schiebel
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Im September 2014 stimmten die Malser für ein Verbot EU-weit zugelassener chemisch-synthetischer Pestizide auf ihrem Gemeindegebiet. Mit Erfolg. Sie waren der Meinung, dass die Zukunft ökologisch sein muss. 

"Wir sind einem ganzen Cocktail solcher Substanzen ausgesetzt und niemand weiß, wie die Wirkungen sind. Das wird sich ganz bestimmt als nicht harmlos erweisen."
Filmemacher Alexander Schiebel über Pestizide

Der Gemeinderat hatte nach der Abstimmung in Mals eigentlich nichts mehr zu sagen. "Trotzdem hat er es abgesägt", so Alexander Schiebel. Mittlerweile ist aber eine Verordnung mit Übergangsfrist zustande gekommen: Wer neu Obstbau betreiben will, muss sich sofort daran halten. Die anderen erst im Frühjahr 2018.

"Vom Bauernbund und der Landesregierung wird die Verordnung wie wild bekämpft."
Filmemacher Alexander Schiebel

Alexander Schiebel ist nach Mals gezogen und schafft dort Aufmerksamkeit vor Ort - mit der Kamera in der Hand und mit einer Facebook-Seite. Sein Buch "Das Wunder von Mals" ist bereits erschienen, der Film über Mals kommt im November in die Kinos.

"Was mich ein bisschen stört am Fernsehen und an der Art fürs Fernsehen Filme zu machen, ist eine gewisse Oberflächlichkeit."
Filmemacher Alexander Schiebel ist nach Mals gezogen