Besonders seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus herrscht eine allgemeine große Angst, sich mit einer Krankheit zu infizieren. In der Ab 21 sprechen wir mit Menschen aus Deutschland und China darüber, wieso die Angst vorm Anstecken auch ansteckend ist.

Nicola Erdmann bezeichnet sich selbst als Hypochonderin – sie hat immer und überall eine irrationale Angst, sich mit Krankheiten anzustecken. Deswegen hat die Journalistin immer Desinfektionsmittel dabei, fasst keine Türklinken an, entscheidet sich gegen eine volle U-Bahn. Nicola achtet auch akribisch darauf, niemals ihre Schleimhäute mit den Händen zu berühren.

"Sich selbst in die Augen oder in die Nase zu fassen ist genauso schlimm, wie etwas abzulecken, was andere Leute angefasst haben."
Nicola Erdmann

Allerdings führt Nicolas Über-Vorsicht nicht dazu, dass sie sich weniger Krankheiten einfängt - es ist also nur eine Hypochondrie.

Die Angst, mit dem neuen Coronavirus angesteckt zu werden, ist allerdings in China berechtigt: In dem Land, wo das Virus zuerst aufgetreten ist, trauen sich viele Menschen nicht mehr auf die Straße. Der ARD-Korrespondent für China, Steffen Wurzel, berichtet aus Shanghai: Die Metropole ist zwar vom Ausbruchsort des neuen Coronavirus, der Stadt Wuhan, hunderte Kilometer weit entfernt – trotzdem hat sich das alltägliche Leben dort seit der Ausbreitung des Virus stark verändert.

Wie die Angst vor dem Anstecken unser Leben beeinflusst

Die Psychologie-Professorin Ulrike Lüken sagt: Die Angst an sich als Gefühl ist sehr wichtig, weil wir dann in Alarmbereitschaft sind und unser Gehirn automatisch auf mögliche Gefahren reagiert. Wenn wir in dieser Alarmbereitschaft von allen Seiten mit Informationen über Krankheiten und Viren überhäuft werden, neigen wir dazu, die eigentlichen Risiken zu überschätzen. Diese Angst kann ansteckend sein.

Fakten übers Anstecken

  • Die beste Infektionsprävention ist laut der WHO immer noch Händewaschen.
  • Auch wenn wir uns anstecken, tendieren wir dazu, trotzdem arbeiten zu gehen. Bei der Umfrage einer Krankenkasse gaben 50 Prozent der Befragten an, bei leichten Erkrankungen trotzdem zur Arbeit zu gehen, 22 Prozent sogar bei einem ansteckenden Infekt.
  • Nicht-ansteckende Krankheiten sind spätestens seit dem 20. Jahrhundert die deutlich tödlicheren: 71 Prozent aller Tode, sprich 41 Millionen jährlich, werden laut der WHO durch nicht-ansteckende Krankheiten wie etwa Krebs oder chronischen Erkrankungen verursacht.
Podcast zur Sendung
  • Ab 21
  • Moderatorin:  Shalin Rogall
  • Gesprächspartnerin:  Nicola Erdmann, Journalistin
  • Gesprächspartnerin:  Professorin für Psychotherapie an der Humboldt Universität zu Berlin
  • Gesprächspartner:  Steffen Wurzel, Korrespondent in Shanghai