Der Geruch von gemahlenem Kaffee oder ofenfrischem Brot – wer kann da schon widerstehen? Auch Hannah Krutmann liebt Gerüche und macht sich den von ätherischen Ölen zunutze. Warum uns Düfte glücklich machen können und wie sie mit unseren Erinnerungen und Emotionen zusammenhängen, erklärt die Psychologin Kathrin Ohla, die zum Geruchssinn forscht.

Für das Gespräch mit Dominik Schotter hat Hannah Krutmann sich vorbereitet. Mit einer ätherischen Ölmischung, bei der Lavendel stark im Vordergrund steht, aber auch Rose und Geranie, erklärt sie. Denn das sei beruhigend, und gleichzeitig wirke sich Lavendel auch positiv auf die Kommunikation aus. Mit ätherischen Ölen kennt Hannah sich aus – sie hat ein Buch darüber geschrieben: "Natürlich leben mit ätherischen Ölen".

"Man sagt, dass Lavendel auf die Kommunikation wirkt und einem hilft, bessere Worte zu finden."
Hannah Krutmann, Autorin eines Buchs über ätherische Öle

Hannah hat ihre Öle meist dabei, oft als kleine Reiseapotheke, die je nach Situation gefüllt wird. Bei Reiseübelkeit helfe Fenchel und Anis, sie hat aber auch Öle gegen Kratzen im Hals. An ihrem Schreibtisch stehen Öle für Präsentationen oder Videocalls – oder, um einfach mal bei einer kleinen Riechpause abzuschalten.

Ätherische Öle als körperliche Erfahrung

Hannah ist eher zufällig durch einen Workshop auf ätherische Öle gestoßen, erzählt sie. In der Phase ging es ihr eigentlich nicht so gut, die Gerüche hätten ihr aber nach einigen Tagen sehr gut getan. "Ich war selbst davon überrascht, wie gut das funktioniert", so Hannah.

"Ich war nicht mehr so gestresst, ich konnte mich entspannen. Ich war selbst davon überrascht, wie gut das funktioniert."
Hannah Krutmann, Autorin eines Buchs über ätherische Öle

Natürlich kann so eine ausufernde Sammlung an ätherischen Ölen auch ins Geld gehen, sagt Hannah. Doch zu viel Öl muss es gar nicht sein. Sie selbst benutzt nur zwei bis drei Öle pro Tag und hat vier bis fünf Öle für die meisten anderen Anlässe.

Hannah Krutmann
© Hannah Krutmann
Hannah Krutmann

Öle seien sehr individuell, nicht jedes Öl passe zu jedem. Wer den Geruch eines Öls nicht möge, könne auch nicht auf den Effekt hoffen, den es verspricht. Zum Glück aber sind viele Öle austauschbar, meint Hannah. Pfefferminze lasse sich zum Beispiel gut mit Zitrusölen ersetzen.

Psychologische Effekte sind gut dokumentiert

Dass Düfte psychologische Effekte haben können, ist sehr gut dokumentiert, bestätigt Kathrin Ohla. Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin forscht zu Gerüchen, den Geschmack und den Geruchssinn.

Die Grundlage der Gefühle oder Emotionen, die wir erleben, ist vorher Gelerntes, erklärt sie. Im Falle eines Lavendelkissens, das wir nutzen, um besser schlafen zu können beispielsweise, verknüpften wir Lavendel mit der Situation des Einschlafens.

"Die Grundlage der Gefühle oder Emotionen, die wir erleben, ist vorher Gelerntes."
Kathrin Ohla, Psychologin und Neurowissenschaftlerin

Aber auch der umgekehrte Fall sei möglich. Kathrin Ohla trinkt gerne Lavendel-Tee am Vormittag, erzählt sie. Zum Einschlafen würde sie daher nicht Lavendel wählen.

Düfte haben zwar keine direkte pharmakologische Wirkung wie eine Tablette gegen Kopfschmerzen, sagt die Psychologin, aber indirekte psychologische Effekte, die sich auf den Körper auswirken.

Geruchssinn ist wichtig für die Lebensqualität

Der Geruchssinn spielt auch eine große Rolle für die Lebensqualität, berichtet Kathrin Ohla weiter. Fehlt er, leiden Menschen sehr stark darunter. Bestätigt hat sich das für sie auch in der Covid-19-Pandemie: Sie hat viel Feedback bekommen von Menschen, die ihren Geruchssinn vorübergehend verloren haben.

"Der Verlust des Geruchssinns betrifft einige Lebensbereiche, an die man vorher vielleicht gar nicht so denkt."
Kathrin Ohla, Psychologin und Neurowissenschaftlerin

Die Folgen können für die Patient*innen schwerwiegen: Wenn das Essen zum Beispiel nicht mehr schmeckt, Aromen nicht mehr wahrgenommen werden, dann kann sich das negativ auf den Appetit auswirken, sagt sie. Aber auch der Verlust der Gefahrenfrüherkennung über den Geruch – zum Beispiel das Wahrnehmen von gefährlichen Gasen oder verbranntem Essen auf dem Herd – mache Betroffene sehr ängstlich.

Und auch beim Miteinander hat Riechen eine wichtige Rolle: Bei der sozialen Interaktion Partner*in, Kinder oder sich selbst nicht mehr zu riechen, kann dazu führen, dass sich Menschen zurückziehen, so Kathrin Ohla. Wenn der Geruchssinn verloren geht, ist es auf jeden Fall wichtig, sich von einem guten Hals-Nasen-Ohrenarzt behandeln zu lassen, rät sie.

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