Oliver Jahnich verbindet mit dem Leben auf dem Land ein Gemeinschaftsgefühl, das er im Schützen- und Musikverein auslebt. In eine große Stadt zu ziehen, kommt für den 26-Jährigen gar nicht in Frage.

Olli ist mit ganzem Herzen Dirigent beim Blasorchester "Erler Jäger", moderiert leidenschaftlich gern Schützenfeste, setzt sich für die Erler Dorfkneipe ein und ist zurzeit sogar Schützenkönig.

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Ursprünglich ist der 26-Jährige in Dorsten auf einem Reiterhof aufgewachsen. Er selbst sagt, dass er "in einem Dorf in der Stadt aufgewachsen" ist. "Da gibt’s immer Feuerwehr, Blasmusik, Schützenverein und die Kirche. Und alle kommen ab und zu zusammen."

Schon als Kind war der 26-Jährige im Musikverein und dadurch viel in der ländlichen Gegend unterwegs. Heute engagiert sich Olli in mehreren Vereinen.

"Das ist doch schon anders als in größeren Städten und Metropolen."
Olli über die Bedeutung von Vereinen auf dem Dorf

Olli will Vorurteile über Schützenfeste, die für ihn ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens sind, beseitigen: "Alte Herren, die zusammenkommen, ein Bierchen trinken, um 22 Uhr ins Bett gehen und vielleicht noch ein bisschen Marschmusik hören" - genau so sei es nicht.

In Erle, einer kleinen Gemeinde im Kreis Borken, gebe es Schützen jedes Alters. Im Verein hätten alle gemeinsam Spaß. "Das ist etwas, was uns in der ländlichen Region zusammenschweißt: Dass man eben zusammen feiern kann."

"Das Alter ist ganz egal. Jeder hat mit jedem Spaß."
Olli über seinen Schützenverein

Alkohol ist ein wichtiger Bestandteil der Feste auf dem Land, gibt Olli zu, natürlich auch beim Schützenfest: Erstmal gebe es eine "Ehrenmalfeier" für die Verstorbenen, später wird im Zelt auf dem Holzboden gefeiert. "Zu essen gibt es im Zweifel drei Tage Pommes und Currywurst", sagt Olli. "Zu trinken gibt es Bier." Oder ein "Korn Spezi": "Das ist einfach bei uns in Erle das Trendgetränk." Der Brand kommt dabei direkt aus einer Erler Kornbrennerei.

Für den Dorstener ist der schönste Moment beim Schützenfest, "wenn man abends zusammensteht mit seinem Verein, seiner Clique, seinen Freunden", sich im Arm hat und tanzt.

"Das gibt’s vielleicht gar nicht mehr so oft: Dass man irgendwo hin geht, und man kennt sich einfach."
Olli Jahnich

Im Alltag und beim Feiern trifft Olli, der bei der Sparkasse arbeitet, auch Kundinnen und Kunden der Bank. Wenn er durchs Dorf geht, wird er von vielen Menschen angesprochen. Früher fand er das manchmal nervig, jetzt verbindet er das mit einem Gemeinschaftsgefühl: "Es ist ein Stück Heimat, wenn man die Person, die hinter der Fleischtheke steht, kennt. Und wenn man etwas braucht, weiß man immer, an wen man sich wenden muss."

Wegen Corona wird das Schützenfest ins Auto verlegt

Eigentlich wollte Ollis Verein dieses Jahr sein 125-jähriges Jubiläum groß feiern – wegen Corona fielen die Pläne aber ins Wasser. Der Verein hat sich dann zum virtuellen Umtrunk getroffen. Und das Schützenfest wurde ins Auto verlegt: "Jemand hat gesagt: Komm, wir stellen eine riesige Bühne, eine große Leinwand auf und laden die Erler Bürger zum Auto-Schützenfest ein." Statt Applaus gab es ein Hupkonzert.