Harvey Weinstein, Kevin Spacey - die sexualisierte Gewalt in der US-Unterhaltungsbranche ist real. Netflix reagiert und bricht die Dreharbeiten für House of Cards ab.

Negativschlagzeilen und kein Ende: Auf die Serie von Vergewaltigungsvorwürfen gegen Harvey Weinstein folgen nun die Anschuldigungen gegen den Schauspieler Kevin Spacey  - und dessen missglückte Ablenkungsstrategie. Am 31. Oktober gaben Netflix und die Produktionsfirma MRC bekannt, dass sie die Dreharbeiten für die Erfolgsserie House of Cards umgehend abbrechen.

"Jetzt geht's für Spacey um viel mehr, durch die Masse an Vorwürfen."
Tom Westerholt, DLF-Nova-Filmexperte

Bisher war nur ein Ende der Serie nach der sechsten Staffel angekündigt worden. Kevin Spacey spielte die Hauptrolle – den Politiker Frank Underwood. House of Cards ist das Aushängeschild des Streamingdienstes Netflix und auch Zeichen einer gravierenden ökonomischen Veränderung des Unterhaltungsmarktes in den USA. Dafür stehen sechs Emmys und zwei Golden Globes, um nur die wichtigsten Auszeichnungen für die Serie zu nennen.

"Kann durchaus sein, dass Netflix die Produktion der sechsten Staffel House of Cards nicht mehr fertigstellt."
Tom Westerholt, DLF-Nova-Filmexperte

Im Gegensatz zu House of Cards und Netflix symbolisiert Harvey Weinstein das klassische Studiosystem zur Produktion von Blockbustern. Zwar begann er Ende der 1990er-Jahre mit Miramax als Underdog, baute jedoch rasch Regisseure wie Quentin Tarantino, Steven Soderbergh und Stars wie Gwyneth Paltrow und Ben Affleck auf.

Im Oktober erhob eine Vielzahl von Frauen Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe gegen den Produzenten. In der Folge wurde Harvey Weinstein entlassen und unter anderem aus der Academy of Motion Picture Arts and Sciences geworfen. Sie vergibt alljährlich die Oscars.

#MeToo - vom Hashtag zur Bewegung

Die Fälle Weinstein und Spacey zeigen, dass Hollywood und die US-amerikanische Medienindustrie insgesamt ein gravierendes Problem mit sexualisierter Gewalt und alltäglichem Sexismus haben. Die Reaktionen – angeschoben von einem Tweet von Alyssa Milano - #MeToo werden manchenorts bereits als Bewegung beschrieben.

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Zurück zum amerikanischen Unterhaltungsmarkt: Umsätze und Gewinne verlagern sich von den großen Filmstudios und den Kabelnetzbetreibern hin zu  Streamingdiensten wie eben Netflix, Hulu und Googles Youtube – mit weltweiter Signalwirkung. Wie viel Dollar Netflix mit House of Cards umsetzt, ist wegen des pauschalen Abomodells des Streamingdienstes unklar.

Die Ausgaben für die ersten drei Staffeln liegen offen, weil das Unternehmen Steuererleichterungen erhielt. Zwischen 55 und 65 Millionen Dollar kostete jede der ersten drei Staffeln. Das Unternehmen wird sich einen neuen Abonnentmagneten suchen müssen – und hat ihn mit der Retro-Mystery-Serie Stranger Things vielleicht bereits gefunden.

Für das weitaus größere Problem  - die sexualisierte Gewalt und den Sexismus – hat die Branche hingegen noch keine Lösung gefunden. Kevin Spaceys Umgang mit den Belästigungsvorwürfen beweist es.