In Dress-Up-Games geht es nur um eins: Das Aussehen der Spielfigur. Die Spielerinnen und Spieler haben eine Figur, die sie nach Belieben gestalten, anziehen und wieder ausziehen können. Inzwischen ist diese Idee auch in vielen anderen Spielen angekommen.

Ursprünglich war es ein harmloser Spaß für Teenager, aber inzwischen geht es weit darüber hinaus: Bei Dress-Up-Games werden die Möglichkeiten zur Gestaltung immer diverser. Auch die erotische Ecke wird bedient, indem sexy Kleidung ausgesucht werden kann. Es geht dabei nicht nur um Mode, sondern auch um Körperformen, Hautfarben, bis hin zum Muster der Schambehaarung oder Form und Größe von Brüsten und Penissen.

Spiele mit ausdifferenzierten Charakteren

Was nach einem netten Spaß oder einem Gimmick klingt, hat aber durchaus Relevanz: Denn viele dieser Elemente werden inzwischen verstärkt auch in "klassischen" Games eingesetzt. Spielerinnen und Spieler können ihre Spielfigur so anpassen, dass sie ihnen auch wirklich gefällt. Denn schließlich hat nicht jeder Lust, den in fast jedem Game gleich aussehenden, weißen Mann spielen zu müssen. Hier können Dress-Up-Games also für mehr Gleichberechtigung und Repräsentation im Spiel sorgen.

Ein Beispiel ist "Love Nikki". In dem Game gibt es ein Anime-Mädchen, dem die Spielerin oder der Spieler verschiedene Klamotten anziehen kann. Zudem gibt es noch eine Fantasy-Story: Die Königin ist gestorben und es gibt Streit um ihre Nachfolge. Damit es aber nicht zu den üblichen blutigen Kriegen und Intrigen kommt, werden Fashion-Duelle ausgetragen – die Figur mit dem angesagtesten Outfit gewinnt. Und darüber entscheidet eben die Spielerin oder der Spieler.

Allein dieses Spiel hat weltweit 100 Millionen User. Und von diesem Genre Dress-Up-Games gibt es eine riesige Menge. Und immer geht es darum, eine Figur möglichst stylish anzuziehen. Meistens sind das auch bekannte Figuren: Barbie, Disney-Prinzessinnen, Figuren aus Herr der Ringe oder Harry Potter. Auch Erwachsene scheinen dieses Genre spannend zu finden: Die Game-Designerin Tyu Orphinae beispielsweise bezeichnet sich selbst als Dress-Up-Game-Profi und findet, dass jede und jeder mal diese Dress-Up-Games ausprobieren sollte.

"I think everyone could enjoy dress-up-games. I mean, when you look at big games with charakter creators everyone likes creating their own characters."

Auch in dem Spiel "Red Dead Redemption 2" taucht ein Dress-Up-Element auf: Hier kann man dem Helden unglaublich viele verschiedene Bart-Varianten verpassen. Diese "Dress-Up-Game"-Features tauchen inzwischen also auch in großen Computerspielen auf. Und das geht weit über die Kleidung hinaus.

Weitere Möglichkeiten von Dress-Up-Games

Es gibt Dress-Up-Games, da ist die Statur der Figuren - dick oder dünn - auswählbar. Auch die Hautfarbe ist einstellbar. In der erotischen Variante kann entschieden werden, wie Po und Brüste aussehen. Oder auch die Form der Schambehaarung beziehungsweise der Verzicht darauf. Und der Gamedesigner Robert Yang hat ein Spiel gemacht, in dem es ausschließlich darum geht, Penisse zu gestalten. Das alles geht also schon sehr in die Erwachsenenecke.

"And my entire childhood I had to play as a white boy in the games I was playing. And it was hard to identify with these charakters, so being able to create your charakter helps you to indentify to it."

Der Spaß bei diesen Spielen liegt darin, sich mit den Figuren auszutoben. Für die Gamedesignerin Tyu Orphinae ist es aber noch mehr. Denn hier eröffne sich die Möglichkeit, nicht mit dem immer präsenten typischen weißen Mann in der Hauptrolle spielen zu müssen. Außerdem könne der Spieler oder die Spielerin sich mit einem selbst gestalteten Avatar auch viel besser identifizieren.

Viele Spielen starten mit einem Charaktereditor

Die Möglichkeiten der Dress-Up-Games erreichen jetzt immer öfter auch andere Spiele. Ulrike Küchler von der Entwicklerfirma "Gamebook" macht etwa Spiele, die interaktive Geschichten erzählen. Die Spielerinnen und Spieler können zum Beispiel entscheiden, mit welcher Figur sie einen Abend verbringen. Darüber hinaus sei es wichtig, austarierte Figuren in den Geschichten zum Leben zu erwecken, sagt die Spieleentwicklerin.

Wir zeigen in unseren Geschichten Figuren mit jedem kulturellen Hintergrund, Figuren mit unterschiedlichen Körpermaßen, mit unterschiedlichen Modestilen."

Bei den Dress-Up-Games geht es also nicht nur darum, die hübscheste Figur mit dem coolsten Outfit zu spielen. Wenn die Idee der ausdifferenzierten Charaktere jetzt auch noch mehr in den großen Blockbusterspielen ankommt, könnte das Spiele diverser machen und so auch für ein klein wenig mehr Gleichberechtigung sorgen.