Wer im Silicon Valley arbeitet, ist anders drauf, als Normalsterbliche. Mehr Arbeit, mehr Geld, mehr Stress. Und weil das ganz schön schlaucht, helfen einige ihrer Leistungsfähigkeit auf die Sprünge. Früher ganz klassisch mit Aderall und Ritalin. Und heute geht es um Microdosing von LSD und halluzinogenen Pilzen. Alles, um die bordeigene Festplatte zu tunen.

Die Wired schreibt, viele Young Professionals in San Francisco würden mit Microdosing experimentieren. Das heißt, sie nehmen alle paar Tage sehr geringe Dosierungen psychedelischer Drogen - meist LSD oder Psilocybin-Pilze - zu sich. Und das alles in der Überzeugung, dass sie damit noch besser und schneller arbeiten können. Die US-Huffington-Post schreibt, Microdosing sei Silicon Valleys "life hack du jour".

Bei LSD liegen die Dosierungen etwa bei einem Zehntel der Standarddosierung, also rund 10 bis 15 Mikrogramm. Dabei bleibt der bewusstseinsverändernde Trip aus. Stattdessen sagen die, die es tun, es würde die Konzentration und die Problemlösungsfähigkeit steigern und Ängste abbauen. Wired hat Interviews mit Softwareingenieuren, Biologen und Mathematikern geführt, die auf Microdosing schwören. Lily, 28, sagt zum Beispiel, sie sei dank Microdosing kreativer und fokussierter, sie könne besser mit Stress umgehen und würde gesunder leben. Andere berichten, sie seien empathischer und kämen besser mit ihren Kollegen klar.

Den Hippies ging es bei ihren LSD-Trips darum, bewusstseinserweiternde Erfahrungen zu machen. Den Silicon-Valley-Kids eher darum, ihr eigenes Gehirn zu hacken und so eine Art Übermensch zu werden. James Fadiman ist Autor des Buchs The Psychedelic Explorer's Guide und hat seit den Sechzigern psychodelische Drogen erforscht. Er hat recherchiert: Bei manchen Silicon-Valley-Typen sei die Motivation die Gleiche, die einen gesunden Menschen zu Ritalin and Adderall greifen lässt - Medikamente, die in den USA vor allem Jugendlichen sehr gerne bei Aufmerksamkeitsstörungen verschrieben werden. Die Start-up-Kultur der Bay Area führe dazu, dass dort viele ihre Körper und Hirne als Maschinen verstehen, die sie optimieren und tunen müssen. Sei es mit Yoga und Meditation, mit Soylent, Fastenkuren oder sogenannten Smart Drugs. Fadiman sagt, den Twentysomethings gehe es bei Microdosing um Wettbewerbsvorteile ohne die Nebeneffekte von Adderall.

Fadimans Haltung: Die Dosis mache das Gift. Sein medizinisches Potenzial könne LSD nur dann entfalten, wenn es in klitzekleinen Mengen eingenommen werde. Dieses LSD-Credo betet er gerade in amerikanischen Medien von Wired über Vice bis Huffington Post rauf und runter. Und das Magazin Forbes fragt: Sind die Zustände am Arbeitsplatz so schrecklich, dass Leute jetzt schon Mikrodosierungen von psychedelischen Drogen nehmen müssen, um sich zu neuen kreativen Höhen aufzuschwingen?

David Nutt ist Direktor des Centre for Neuropsychopharmacology am Imperial College London, und hat viele Grundlagenstudien zu LSD und Magic Mushrooms durchgeführt. Er bestätigt, dass die Drogen die kortikalen Funktionen, also die Funktion der Großhirnrinde verändern. Sie würden sie flüssiger und weniger starr machen. Das sei bei großen Dosierungen so, bei kleineren vermutlich in geringerem Umfang auch. Das wiederum würde bestimmten Gehirnarealen helfen, flexibler und produktiver zu arbeiten. Auch der Pharmakologie-Professor David Nichols von der Purdue University, Indiana meint, es sei möglich, dass kleine Dosierungen LSD die Dopaminpfade im Hirn aktivieren, ähnlich Adderall oder Ritalin,

Symptome, die denen einer Psychose ähneln

Die Gefahren einer längeren Einnahme von Micrdosen sind allerdings noch nicht erforscht. Der Host der Netz-Show Reply All, PJ Vogt, hat es ausprobiert und berichtet, seine Kollegen hätten als ihn unerträglich manisch beschrieben. Und der Pharmakologe David Nichols sagt, diese Drogen einmal im Monat zu nehmen, sei eine Sache, sie jeden Tag zu nehmen vermutlich weniger harmlos. Er hat 2011 ein Experiment gemacht, bei dem er Ratten über Monate alle paar Tage 0.08 bis 0.16 mg LSD verabreichte. Nach längerer Zeit wurden die Ratten aggressiv und hyperaktiv. Sie zeigten Symptome, die denen einer Psychose ähnelten.