Es gibt so viel Kokain auf dem deutschen Markt, wie niemals zuvor. Auch die Zahl der Konsumenten hat dramatisch zugenommen, die inzwischen aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen.

Verlässliche Zahlen darüber, wie viele Menschen Kokain konsumieren, gibt es nicht, sagt der NDR-Journalist Benedikt Strunz. Offiziell nennt beispielsweise die Polizei 5 Prozent Kokain-Konsumenten. Das sind aber nur Näherungswerte, sagt Benedikt. Wovon die Experten mit Sicherheit ausgehen, ist, dass der Kokainkonsum drastisch gestiegen ist.

"Was es allerdings derzeit gibt, das sind klare Anzeichen dafür, dass der Konsum eher steigt, möglicherweise auch drastisch steigt."

Der Grund: Der Markt wird derzeit mit Kokain überschwemmt. Die Koka-Anbaufläche in Kolumbien hat sich nach UN-Angaben seit 2013 verdoppelt. In den großen europäischen Hafenstädten wird immer mehr Kokain gefunden, berichtet Benedikt. Das Bundeskriminalamt geht davon aus, dass das nach Deutschland geschmuggelte Kokain auch hier konsumiert wird.

Bei Drogenkonsumenten scheint Kokain deshalb so beliebt zu sein, weil es als leistungssteigernd und als "clean" in Bezug auf den Rausch gilt. Langjährig Kokainabhängige leiden aber unter starken psychischen und gesundheitlichen Folgen, sagt Benedikt. Die Abhängigkeit sei der von Heroin sehr ähnlich.

Kokainkonsum geht durch alle Schichten

Trotz Kokainschwemme ist der Preis auf dem Markt relativ stabil geblieben, sagt Benedikt. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass es mehr Konsumenten gibt, denn sonst hätte der Preis aufgrund der Schwemme nachgegeben. Die Konsumenten kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten von Studenten, über Managern hin zu Bauarbeitern.

"Man hat früher gesagt, Kokain ist der Champagner unter den Drogen, das ist derzeit nicht mehr so. Es geht durch alle Schichten - übrigens auch durch alle Altersschichten."
Benedikt Strunz, NDR

Der deutsche Kokainhandel wird von unterschiedlichen Gruppen betrieben: Albanische, deutsche, osteuropäische Täter sind beteiligt. Auch die italienische 'Ndrangheta, die kalabrische Mafia oder chinesische Triaden mischen mit. "Was ganz interessant ist: Wir haben hier in Deutschland auch Stadthalter von Kokainkartellen aus Südamerika sitzen, wirtschaftliche Vertreter", sagt Benedikt. Diese Gruppen und Banden schrecken nicht zurück vor brutaler Gewalt.

"Für mich trifft der Satz absolut zu, dass an jedem Gramm Kokain auch Blut klebt."
Benedikt Strunz, NDR

Um den Handel und den Konsum in den Griff zu bekommen, muss man die Drogen legalisieren, sagen verschiedene Drogenexperten und -berater. Eine beaufsichtigte Abgabe könnte ein erster Schritt zu mehr Kontrolle über den Drogenhandel sein. Dadurch könnte zumindest der Konsum entkriminalisiert werden. Der Zoll und die Polizei haben in dem Punkt eine andere Haltung, sagt Benedikt. Sie müssen die organisierte Kriminalität hart bekämpfen. "In einem Punkt sind sich aber alle einig: So geht es nicht weiter". Die deutsche Drogenpolitik hatte in den vergangenen Jahren kaum Erfolg bei Aufklärung und Prävention.