Tonnenweise liegt Sondermüll im äußersten Westen Nordrhein-Westfalens herum. Dabei soll es sich laut Polizei um Stoffe aus der niederländischen Crystal Meth-Produktion handeln.

Crystal Meth gilt als eine der am einfachsten herzustellenden synthetischen Drogen. Abfälle aus der Drogenproduktion sind tonnenweise an der nordrhein-westfälischen Grenzregion zu den Niederlanden abgeladen worden.

Verschiedene Formen von Abfällen

Ermittler des Landeskriminalamts in Nordrhein-Westfalen vermuten, dass die Chemikalien aus Laboren in den Niederlanden stammen und über die Grenze gefahren werden. Bei den Abfällen kommen in unterschiedlichen Formen vor wie flüssige oder als Pulver.

Chemisch ausgedrückt ist Crystal Meth Methamphetamin. Einer der Ausgangsstoffe ist Pseudoephedrin, das auch in vielen Husten- oder Schnupfenmitteln enthalten ist.

Abfälle sind Sondermüll

Die Abfallprodukte der Herstellung sind nicht ganz klar definiert, sagt Klaus Kümmerer, der Direktor des Instituts für nachhaltige Chemie und Umweltchemie an der Universität Lüneburg. Bei der illegalen Drogenproduktion sei damit zu rechnen, dass unbekannte Stoffe in großen Mengen übrig bleiben, deren Giftigkeit unklar ist. Es sei auch schwer zu ermitteln, welche Stoffe enthalten sind, weil nicht bekannt ist, welche zur Herstellung in den Drogenlaboren eingesetzt werden.

Mit Sicherheit seien noch Drogensubstanzen in den Abfällen nachzuweisen. Allein aus diesem Grund seien die Abfälle als Sondermüll zu behandeln.

"Wir haben sicher auch noch von den Drogen wirksame Stoffe drin. Das ist aus meiner Sicht ganz klar Sondermüll."
Klaus Kümmerer, Institut für nachhaltige Chemie und Umweltchemie, Universität Lüneburg

Da die Produktionsabläufe in den Drogenlaboren unbekannt sind, werde auch die Analyse der Stoffe Schwierigkeiten bereiten.

Die Folgen der illegalen Entsorgung können schwerwiegend sein. Teile der Chemikalien können ins Grundwasser gespült werden und letztlich ins Trinkwasser gelangen. Pflanzen können die Stoffe aufnehmen. Der Sondermüll müsste eigentlich verbrannt oder eingelagert werden. Eine mögliche Gegenmaßnahme: Theoretisch ließen sich anonyme Abgabeorte für den Müll einrichten – die wohl unwahrscheinlichste Option, findet auch Klaus Kümmerer.

"Ich glaube nicht, dass sie da jemanden finden, der sagt: Oh ich habe ein bisschen Crystal Meth gemacht, hier drei Kilogramm Abfall würde ich gerne bei ihnen lassen."
Klaus Kümmerer, Institut für nachhaltige Chemie und Umweltchemie, Universität Lüneburg