Im Bürgerkrieg in Libyen sollen sogenannte "Killer-Roboter" im Einsatz gewesen sein. Das sind Drohnen, die Gegner ohne menschliche Steuerung oder Entscheidung verfolgen und töten können. Das meldet die Uno. Unklar ist, ob die Drohnen Menschen getötet haben.

In Libyen herrscht Bürgerkrieg: Auf der einen Seite ist die libysche Regierung, die wird von der Uno und der EU als rechtmäßige Regierung anerkannt und bei den Kämpfen unter anderem von der Türkei, Katar und Italien unterstützt wird.

Auf der anderen Seite ist General Chalifa Haftar. Er möchte die aktuelle Regierung stürzen und hat dabei zum Beispiel Ägypten, Saudi-Arabien und Russland hinter sich.

Einsatz von autonomen Drohnen im März 2020

In diesem Konflikt soll die libysche Regierung Ende März 2020 eine Offensive gegen die Soldaten von General Haftar gestartet haben, so eine Gruppe von Expertinnen und Experten der Uno in einem Bericht. Dabei sollen türkische Drohnen des Typs Kargu-2-Quadcopter die Soldaten identifiziert und verfolgt haben. Bei den Drohnen handelt es sich um Modelle, die eigenständig feuern können – ohne einen Menschen, der sie steuert.

Ob die Drohnen auf die Soldaten geschossen haben, erwähnt der Bericht nicht. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn vermutet, in diesem Fall würde die Uno das öffentlich machen. Das würde den Vorfall zusätzlich verschärfen. Gegen den Einsatz solcher Drohnen gibt es viel Kritik und eine längere Diskussion, Waffen wie diese zu verbieten.

"Es ist krass, dass solche Drohnen tatsächlich in einem Krieg eingesetzt werden und mögliche Ziele identifizieren. Aber wenn tatsächlich auch zum ersten Mal ein Mensch damit getötet wird, dann wäre das eine noch viel drastischere Sache."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Die Drohnen werden auch "Killer-Roboter" genannt. Ob sie auf einen Menschen feuert oder nicht, entscheidet die Drohnen mithilfe eines Algorithmus. Der basiert auf einer Vielzahl aus Daten, mit denen das Programm hinter der Drohne zum Beispiel lernt, zwischen Soldaten von Zivilisten zu unterscheiden. Ob sie jemanden tötet, entscheidet die Künstliche Intelligenz alleine.

KI entscheidet alleine, ob sie schießt

Die Uno möchte solche Waffen seit mehreren Jahren verbieten. Ein Verbot ist bislang an dem Veto-Recht der jeweiligen Mitgliedsstaaten gescheitert, das jedes Land bei einer internationalen Waffen-Konvention hat. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch haben sich weltweit 30 Länder für ein Verbot ausgesprochen.

Mehrheit der Länder gegen Verbot der Drohnen

Deutschland ist eines der Länder, die Drohnen solcher Art zwar ächten möchten, aber nicht ausdrücklich verbieten. Dann gibt es noch die Länder, die Waffen wie diese entwickeln und damit viel Geld verdienen wie China, Israel, Russland, Südkorea, das Vereinigte Königreich und die USA. Australien und die Türkei investieren ebenfalls in Drohnen-Projekte.

Für den Vorfall aus dem vergangenen Jahr in Libyen macht die Uno die Türkei verantwortlich. Nur sie setzen solche Drohnen ein, so die internationale Regierungsorganisation. Expertinnen und Experten fordern deshalb, es brauche dringend ein Verbot oder zumindest Vorschriften, die den Einsatz der Drohnen regeln.

"Dass es diese Drohnen gibt, ist nichts Neues. Dass sie im Krieg eingesetzt werden und eigenständig Soldaten suchen, finden und verfolgen, schon."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Bei der Drohne in unserem Bild handelt es sich nicht um die Drohne Kargu-2-Quadcopter des türkischen Waffenherstellers STM, von der die Uno in ihrem Bericht spricht.