Der Iran hat wohl Waffen an Russland geliefert, die in der Ukraine zum Einsatz kommen. Der Politikwissenschaftler Cornelius Adebahr sagt: Das stellt die Ukraine vor neue Herausforderungen.

Russland greift die Ukraine offenbar auch mit Drohnen an, die aus dem Iran stammen. Iran bestreitet, Waffen an Russland zu liefern – doch nach Einschätzung von Politikwissenschaftler Cornelius Adebahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik gebe es ausreichend Indizien, die belegen, dass Russland auch Waffen aus dem Iran einsetzt. Es gebe Drohnen, die abgestürzt sind, Material von Drohnen, die gefunden wurden, und Bilder über Lieferungen. "Nach allem, was wir wissen, hat es diese Lieferungen gegeben", sagt er.

Zusätzlich solle der Iran Ausbilder auf die besetzte Halbinsel Krim schicken. Das alles deute auf eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Iran und Russland hin. Beide Staaten sind mit Sanktionen belegt und es sei wahrscheinlich, dass über die militärische Zusammenarbeit hinaus es auch eine wirtschaftliche geben werde.

Angriff auf Öl-Anlage wird Iran zugeschrieben

Vor allem kann der Iran Drohnen liefern, die sich samt Sprengladung in ein Ziel stürzen. Diese werden deshalb auch Kamikaze-Drohnen genannt. Nach Berichten aus der Ukraine haben sie bereits Geschütze und gepanzerte Fahrzeuge der Ukraine zerstört, aber auch Wohnhäuser. Cornelius Adebahr sagt, die Angriffe mithilfe iranischer Drohnen würde die Ukraine vor eine neue Herausforderung stellen. Die würde darin bestehen, dass die Ukraine ihrerseits Luftabwehrsysteme im Westen bestelle. Das führe wiederum zu einer Eskalation des Konflikts und das sei ganz im Sinne des russischen Präsidenten Putin.

Iran produziert schon länger Drohnen. Vor drei Jahren wurde mit Drohnen eine Öl-Anlage in Saudi-Arabien zerstört. Diesen Angriff haben die USA dem Iran zugerechnet. Iran hat bestritten, dafür verantwortlich zu sein.

Iranische Raketenproduktion

Außerdem gibt es eine ballistische Raketenproduktion im Iran, beispielsweise Mittelstreckenraten, erklärt Cornelius Adebahr. Diese haben eine Reichweite von 300 bis 700 Kilometer. "Das ist etwas, was der Iran seit Jahren eigenständig aufbaut", so der Experte. Eigentlich gedacht zur Selbstverteidigung, das Land unterstützt damit aber auch andere Staaten in der Region, "jetzt auch die Weltmacht Russland mit Rakten made in Iran."

"Waffenlieferungen aus dem Iran könnten zu einem neuen Gleichgewicht zwischen der Ukraine und Russland führen."
Cornelius Adebahr, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Laut Cornelius Adebahr ist Russland auf Waffenlieferungen aus dem Ausland angewiesen. Russland hätte schon viel des eigenen Waffen- und Munitionsbestands aufgebraucht, und die eigene Produktion sei aufgrund der Sanktionen durch den Westen schwierig.

Die Drohnen-Lieferungen aus dem Iran könnten im russischen Krieg gegen die Ukraine zu einem "neuen Gleichgewicht" führen, das den Krieg verlängern könnte. Aber auch wenn Iran Waffen liefert: Ein Bündnis zwischen Iran und Russland sieht der Politikwissenschaftler Cornelius Adebahr noch nicht. Er spricht von einer "Zweckgemeinschaft".

  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Cornelius Adebahr, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik