"Zur Geschichte der Großtechnik gehört die technische Katastrophe", hat der Historiker Joachim Radkau einmal gesagt. Wir blicken zurück auf die Anfänge der Atomkraft und ihrer Protestbewegung.

Die ersten Hinweise, dass sich die Atomkraft zivil nutzen lassen könnte, gehen bis in die 50er-Jahre zurück. Damals herrschte eine regelrechte Euphorie, durch Atomkraft würden alle Probleme der Energieerzeugung vollständig und auf lange Sicht gelöst.

Joachim Radkau weist aber darauf hin, dass einige Nuklearexperten schon sehr früh wussten, dass es sich bei der Kernkraft um eine hochriskante Technik handelt. Dennoch hat es bis nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 gedauert, ehe Deutschland beschloss, aus dieser - seiner Meinung nach nicht beherrschbaren - Technik auszusteigen. Zuvor, daran erinnert Radkau im Hörsaal, seien offizielle Sprachregelungen getroffen worden, um die jeweilige Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen. In Japan hielten diese bis heute an:

"Im offiziellen japanischen Sprachgebrauch handelt es sich um keine Reaktorkatastrophe, sondern um das große, ostjapanische Erdbeben."
Joachim Radkau, Historiker

Maria Schubert von der Eberhard Karls Universität Tübingen hat sich speziell den Umgang der damaligen DDR mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl angesehen, die sich am 26. April 2017 zum 31. Mal jährt. Weil viele Ostdeutsche Westfernsehen sahen, hätten sie mitbekommen, dass die Grenzwerte für Lebensmittel durch die radioaktive Strahlung überschritten gewesen seien. Das Herunterspielen der Katastrophe hätten sie dem Staat nicht mehr abgenommen, sie seien zutiefst verunsichert gewesen. Der Super-Gau von Tschernobyl habe mit zum Ende der DDR beigetragen.

"Viele der Bürger kritisierten gar nicht so sehr die Atomkraft per se, sondern den Umgang der Regierung mit der Katastrophe."

Veranstalter der Internationalen Konferenz "Tschernobyl-Wendepunkt oder Katalysator" war die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, vom 2. bis 3. Dezember 2016. 

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