Das aktuelle Wetter gibt nicht viel Aufschluss darüber, wie feucht oder trocken unsere Böden sind. Vielmehr bedarf es einer langfristigen Betrachtung. Die ergibt: Zurzeit sind Deutschlands Böden viel zu trocken.

Deutschland kann sich mit der eigenen Landwirtschaft gut selbst ernähren - viele Lebensmittel werden hier angebaut und produziert. Eine wichtige Bedingung für gutes Wachstum ist dabei: Ausreichend feuchte Böden. Und genau das ist in Deutschland derzeit ein Problem.

Weite Teile Deutschlands "ungewöhnlich trocken"

Der Dürremonitor des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung zeigt: Viele Flächen, vor allem in Süddeutschland, sind von einer "schweren", "extremen" oder "außergewöhnlichen" Dürre betroffen, analysiert man die Bodenschicht bis 1,80 Meter Tiefe. Der größte Teil von Deutschlands Böden ist mindestens "ungewöhnlich trocken".

Die Ursachen für diese Bodentrockenheit sind komplex und nicht einfach damit zu erklären, wie viel oder wenig es in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten geregnet hat. Es kommt nämlich stark darauf an, wie häufig es wie lange wie viel geregnet hat.

Ein Traktor fährt über ein trockenes Feld und wirbelt Staub auf
© dpa

"Ein Quadratmeter Boden kann circa 100 Liter Wasser aufnehmen", erklärt Andreas Marx vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung. "Wenn es aber in kurzer Zeit ganz viel regnet, dann läuft das meiste Wasser oberflächig ab ohne eine Chance, im Boden zu versickern."

Seine Wasserspeicher kann der stark ausgetrocknete Boden nur mit einem langen Niederschlag wieder auftanken. Denn er kann nur dann Wasser aufnehmen, wenn er an der Oberfläche eine gewisse Feuchtigkeit erreicht hat.

Dürre schwächer als noch vor 60 Jahren

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Trockenheits-Perioden, "aber die Dürre ist heute nicht mehr stark ausgeprägt, wie sie es noch in den 60er- und 70er-Jahren war", sagt Andreas Marx - und das trotz des Klimawandels.

"In Sachen Klimawandel sind wir in Zentraleuropa und Deutschland ein bisschen auf der Insel der Glückseligen."
Andreas Marx, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Insgesamt sieht Andreas Marx für Deutschland und Mitteleuropa keine gravierenden Konsequenzen durch den Klimawandel. "Von Klimakatastrophe kann für Deutschland direkt keine Rede sein." Anders sehe das für die mediterranen Länder aus, in denen es noch trockener wird, und für Skandinavien, wo es tendenziell noch mehr regnen wird.