Alle 48 Sekunden stirbt am Horn von Afrika ein Mensch, weil es zu wenig zu essen gibt. Es ist extrem trocken in den betroffenen Regionen. Und der Weizenpreis steigt auf ein Rekordhoch.

In manchen afrikanischen Ländern sind Millionen Menschen seit jeher von Hungersnöten bedroht. So schlimm wie aktuell war die Situation vor allem in Somalia, Äthiopien und Nord-Kenia aber selten.

In Äthiopien, Somalia und Kenia haben rund 14 Millionen Menschen nicht ausreichend zu essen, die Hälfte davon sind Kinder. Eine Statistik der Hilfsorganisation Save the Children zeigt: Alle 48 Sekunden stirbt in der Region ein Mensch an Hunger.

Die Strecken, um überhaupt noch an Wasser zu kommen, werden immer länger. Wege von täglich 15 Kilometern sind keine Seltenheit mehr. Die Ernten auf den Feldern sind um über 80 Prozent zurückgegangen.

"Manche Mütter sind so unterernährt, dass sie ihre Babys nicht stillen können."
Antje Diekhans, Korrespondentin für Kenia

Die vierte Regenzeit hintereinander ist ausgefallen, die Dürre gilt als die längste seit Jahrzehnten. Hinzu kommt der Krieg in der Ukraine und Putins Blockade von Getreidelieferungen. Der Weizenpreis ist mit rund 400 Euro pro Tonne auf einem Rekordhoch. Hilfsorganisationen können heute mit demselben Geld weniger Hilfsgüter einkaufen als früher.

Hinzu kommt, sagt Antje Diekhans, Korrespondentin für die Region: Wegen des Kriegs in der Ukraine ist die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft weniger bei der Hungersnot in Afrika.

Auf der Geberkonferenz in Genf im April sind rund 1,3 Milliarden Euro an Hilfsgeldern zugesagt worden. "Das reicht knapp für Somalia. Den anderen Ländern ist damit noch nicht geholfen", so die Korrespondentin.

Letzte schwere Hungerkrise ist erst zehn Jahre her

Schon 2011 gab es am Horn von Afrika eine Hungerkrise. Die Vereinten Nationen sprachen von einer der schlimmsten Dürren seit 60 Jahren. Allein in Somalia kamen durch die Krise zwischen den Jahren 2010 und 2012 eine Viertelmillion Menschen ums Leben. "Und jetzt sieht es so aus, als könnte es dieses Jahr noch schlimmer werden."

Neben internationaler Hilfe wird als mögliche Strategie angesehen, mehr dürreresistente Pflanzen anzubauen und weniger Vieh zu halten. Antje Diekhans sagt aber: Das lässt sich nicht von heute auf morgen umstellen. Außerdem seien die Länder im Osten Afrikas besonders vom Klimawandel betroffen, den sie selbst kaum zu verantworten haben.

Zwischen dem Präsidenten der Afrikanischen Union Macky Sall und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist ein Treffen geplant. Sall will von Putin eine Aufhebung der Ausfuhrblockade für Getreide und Dünger fordern.