Ambra ist einer der teuersten Düfte, die es in der Natur gibt. Wie genau er entsteht, ist unklar. Klar ist nur: Die wertvollen Brocken kommen aus dem Darm des Pottwals. Weil Pottwale mittlerweile unter Artenschutz stehen, versuchen Wissenschaftler, den Stoff künstlich herzustellen.

Wenn früher Pottwale gejagt wurden, dann war das nicht nur wegen ihres Fleischs, sondern auch wegen einer anderen Substanz: Der Ambra. Der Stoff ist so wertvoll, dass er früher mit Gold aufgewogen wurde. Der Grund: Ambra ist ein sehr begehrter Bestandteil von Parfüms.

Heute stehen Pottwale zum Glück unter Artenschutz und dürfen nicht mehr gejagt werden. Da die Parfümindustrie aber nicht auf Ambra verzichten möchte, wurden jetzt Wege gefunden, den Stoff künstlich herzustellen.

Künstliche Herstellung von Ambra

Ein erster Versuch wurde mit den Inhaltsstoffen von Pflanzen wie Muskatellersalbei gewagt. Das sei aber zu ineffizient, teuer und umweltschädlich gewesen, sagt Biologe Mario Ludwig. An den originalen Duft käme der Stoff nicht ran. Österreichische Wissenschaftler der TU Graz haben jetzt aber einen Hefepilz so verändert, dass er den originalen Wirkstoff von Ambra, Ambrein, 1:1 herstellen kann.

"Die Ausbeute mit dieser Methode ist nach Aussagen der Wissenschaftler sieben Mal höher als mit der alten Methode und deutlich umweltfreundlicher, weil bei der Herstellung weniger Ressourcen verbraucht werden."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Laut Angaben der Wissenschaftler ist der Duft des künstlichen Ambras identisch mit dem natürlichen. Das Patent sei bereits angemeldet, ganz ausgereift ist das Verfahren aber noch nicht, wie Mario Ludwig berichtet.

Nicht jeder Pottwal produziert Ambra

Nur fünf Prozent aller Pottwale produzieren überhaupt Ambra. Wie sie dazu kommen, ist in der Wissenschaft noch unklar. Eine Theorie ist, dass die Nahrung der Pottwale, nämlich riesige Kalamare, die Darmwand der Wale während des Verdauungsvorgangs verletzten, und Ambra als Wundverschluss produziert wird. Eine andere Theorie besagt, dass der Stoff aufgrund von Verdauungsstörungen entsteht. Ein Ambrabrocken kann bis zu 100 Kilogramm schwer werden. Die Wale spucken die Brocken in der Regel aus.

Aphrodisierender Duft und lange Haltbarkeit

Ganz frisch aus dem Pottwaldarm riecht das wachsartige, grauschwarze Ambra übrigens ziemlich abstoßend. Erst nach einer Weile, wenn der Stoff mit Luft, Salzwasser und Licht in Berührung gekommen ist, entwickelt er seinen angenehmen Duft. Beschrieben wird er als tabakartig, balsamartig und sogar aphrodisierend, wie Mario Ludwig sagt. Außerdem kann Ambra Düfte länger haltbar machen, das macht es so begehrt und teuer.

"Ambra wurde früher mit Gold aufgewogen und erzielt auch heute noch auf Auktionen Preise von mehreren zehntausend Euro pro Kilogramm."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Sollte man zufällig einen dieser wertvollen Brocken im Wasser schwimmen sehen, ist es laut EU-Recht sogar erlaubt, ihn zu behalten, sagt Mario Ludwig, da er dem Tier nicht gewaltvoll entlockt wurde. In anderen Ländern gelten aber teils andere Gesetze.