Verwahrloste Viertel, Gewaltexzesse, überforderte Behörden und Familienclans. Die Polizei wagt sich in manche Straßen nur noch mit Verstärkung. Das Duisburger Stadtviertel Marxloh zählt zu den ärmsten in Deutschland und droht, zur No-Go-Area zu werden. Trotzdem gibt es einen Besuch von Angela Merkel.

Die Bundeskanzlerin hat Heidenau bisher nicht besucht, auch in Freital hat Angela Merkel noch nicht vorbei gesehen. Aber auf dem Reiseplan ihrer sommerlichen Bürger-Dialogs-Tournee steht ein anderes offiziell anerkanntes Problemviertel: Duisburg-Marxloh. Wer Marxloh googelt, bekommt schnell den Begriff "No-Go-Area" ausgespuckt. Meistens noch mit Fragezeichen dahinter.

Niedergang eines Viertels

Die Menschen zogen für ihre Jobs in der Stahlindustrie ins Viertel, als die zugrunde ging, war es vorbei mit dem Wohlstand. "Das ist die übliche Spirale, die sich dort in Gang gesetzt hat", sagt die Journalistin Doro Blome-Müller, "die Industrie bricht weg, die Arbeitsplätze brechen weg, wer kann sucht sich einen anderen Job und zieht weg." Die anderen bleiben.

Es gibt Zahlen, die Marxloh beschreiben: 19.000 Einwohner, mehr als 60 Prozent mit Migrationshintergrund, 60 Prozent der Fläche sind Industriestandorte. Die Polizeigewerkschaft spricht von Familienbanden und Gangs, die über Straßenzüge herrschen.

"Bislang gibt es keinen funktionierenden Hebel, die Strukturen in Duisburg-Marxloh aufzubrechen."
Doro Blome-Müller, Journalistin

Trotzdem gibt es in Duisburg-Marxloh funktionierende Sozialstrukturen: die türkische Gemeinde ist sehr groß, hier steht eine der größten Moscheen Deutschlands, die Stadt stößt viele soziale Projekte an. "Es ist ein ganz normaler Stadtteil, in dem Menschen zur Schule gehen, arbeiten und so weiter", sagt Doro Blome-Müller. Dass es aber massive Probleme gebe, würde niemand bestreiten.

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