In manchen Unternehmen wird standardmäßig geduzt. Aber eben nicht in allen. Und auch für manche Politiker*innen ist es nicht ganz einfach, die richtige Anrede zu finden. Welche Regeln gibt es?

Bärbel Bas ist Präsidentin des Deutschen Bundestages. Als SPD-Mitglied und aus dem Ruhrgebiet kommend, ist sie das Duzen gewöhnt. Genoss*innen untereinander duzen sich meistens – im Ruhrgebiet sowieso. Aber in einem Gespräch mit der Zeitung "Bunte" sagte die Politikerin, dass sie künftig mehr siezen werde und sich damit an die Erfordernisse des Protokolls (zum Nachlesen gibt es die hier) gewöhnen werde.

Eine Frage der Hierarchie

Denn im Bundestag gibt es Empfehlungen für die Anrede, so unsere Reporterin Ilka Knigge. Diese sind in einem umfangreichen Dokument des Innenministeriums festgehalten. Darin ist aufgelistet, wie wer in Briefen oder bei der persönlichen Anrede bezeichnet wird. Und zwar vom Fraktionsvorsitzenden bis hin zu Kanzler oder Kanzlerin.

"Ein Klassiker ist, dass der Rang entscheidet, wer zum Beispiel das Du anbietet."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Solche klaren Regeln gibt es für die meisten anderen Jobs eher nicht. Dennoch gibt es ein paar Grundregeln zum Beispiel von der Knigge-Gesellschaft oder vom Duden, so Ilka. Dazu gehört der Klassiker, dass der Rang entscheidet, wer das Du anbieten darf. Das ist grundsätzlich die Person, die in der beruflichen Hierarchie "höher" steht und einen höheren Dienstgrad hat. Unter Kolleg*innen kann auch das Alter über den "Rang" mit entscheiden.

Viele wollen individuell entscheiden können

In einigen Firmen und Unternehmen herrscht mittlerweile eine Duz-Kultur. Alle duzen sich, unabhängig von Position oder Alter. "Das soll eine lockere Atmosphäre mit flachen Hierarchien zeigen", sagt Ilka.

Aber auch da empfiehlt der Duden, beim Duzen nicht direkt mitzumachen, so Ilka. Wenn ihr im Team neu seid, kann es sinnvoll sein, zu warten bis euch das Du angeboten wird. "Die Annahme ist: Höfliche Distanz werde einem nicht negativ ausgelegt", sagt Ilka. Doch das hängt von der jeweiligen Unternehmenskultur ab.

Siezen oder duzen entscheidet auch über das Image eines Unternehmens

Zu diesen verschiedenen Kulturen gibt es auch Studien. Die Universität Osnabrück hat 2019 gut 1300 Personen im Alter von 15 bis 65 Jahren befragt, ob sie sich eine verbindliche Duz- oder Siez-Kultur im Unternehmen wünschen oder sie keine Vorgabe präferieren. "Die meisten haben gesagt: keine Vorgabe gewünscht", sagt Ilka. Auf Platz zwei landete das Duzen, danach kam das Siezen.

Der Wirtschaftspsychologe Uwe P. Kanning gehört zum Autoren-Team der Studie. Bei einer anderen Befragung fand er heraus, dass bei Stellenausschreibungen, in denen geduzt wird, sich die Bewerber*innen ein moderneres Unternehmen vorstellen als wenn gesiezt würde. Das heißt, Duzen oder Siezen prägt auch das Image eines Unternehmens mit. Seine Erkenntnisse stellt Uwe P. Kanning in einem Video vor.