• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Die katastrophalen Waldbrände in der Türkei sind auch eine Folge schlechter Umwelt- und Forstpolitik, sagt der Leiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle. Recep Erdoğan könne das nicht zugeben und beschuldige deswegen die kurdische Minderheit im Land.

Eine Hitzewelle und die seit Jahren stärksten Waldbränden betreffen vor allem die türkischen Provinzen in der Nähe des Mittelmeers. Indirekt hat der türkische Präsident Recep Erdoğan die kurdische PKK und die kurdische Minderheit im Land für die Feuer verantwortlich gemacht. Es ist bereits zu Übergriffen gegenüber Kurdinnen und Kurden gekommen.

Kurdische Minderheit als Sündenbock

"Erdoğan braucht einen Sündenbock, den er für diese verheerenden Brände in der Türkei verantwortlich machen kann", sagt der Journalist Erkan Arikan, Leiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle. Wieder einmal wähle Recep Erdoğan dafür die kurdische Bevölkerung in der Türkei. So treibe er den Hass und die Spaltung der türkischen Gesellschaft voran.

"Erdoğan weiß, dass seine Umwelt- und Forstpolitik komplett versagt haben. Aber er würde das niemals eingestehen."
Erkan Arikan, Leiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle

Erkan Arikan erinnert an das Verbrechen an einer kurdischen Familie. Am 30. Juli sind in der zentralanatolischen Stadt Konya sieben Menschen regelrecht gelyncht worden. Zuvor war Mitte Juli ebenfalls in der Region Konya ein kurdischer Bauer von Angreifern getötet worden. Laut Zeugenaussagen hätten sie ihm gedroht und gesagt, dass Kurden in dem Dorf nicht erwünscht seien.

Milizen und Ermittlungen

Inzwischen gebe es paramilitärisch organisierte Milizen, die Straßen blockieren und Menschen kontrollieren, berichtet Erkan Arikan. Menschen mit ostanatolischem Aussehen oder in Autos mit Kennzeichen aus bestimmten Provinzen würden angehalten, weggeschickt oder körperlich bedroht und sogar angegriffen.

Die Polizei versuche weiterhin, die Ursache der Feuer in der Türkei zu ermitteln. Einige bereits verhaftete Verdächtige seien wieder auf freien Fuß gesetzt worden, sagt Erkan Arikan.

"Es sind einige Personen verhaftet worden. Später hat sich herausgestellt, dass das nur Freiwillige waren, die versucht haben, die Feuer zu löschen und nicht zu legen."
Erkan Arikan, Leiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle