E-Books können wir haufenweise mitnehmen, überallhin. Und E-Books haben viel mehr zu bieten als ihre Verwandten aus Papier: Wir stellen drei besondere E-Books vor.

E-Books gibt es schon länger, aber so richtig ausgeschöpft wurden die technischen Möglichkeiten bisher kaum. Am Donnerstag (12.10.2017) wird auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Ebook Award verliehen und Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Seibt hat sich drei ganz besondere Exemplare angeschaut.  Ein Lyrik-Projekt, einen Zeitreiseroman und einen Thriller, der speziell für Smartphone-Nutzer konzipiert ist. 

"Cloudpoesie" ist ein Lyrik-E-Book und für den Deutschen Ebook Award nominiert. Es gibt animierte Grafiken, die Kapitel unterteilen – dazu externe Verlinkungen zu Youtube-Videos, Wikipedia-Seiten, Fotos oder Artikel aus dem "New Yorker". Ihr könnt die Geschichte lesen, aber eben auch hören.

"Alles in allem ist es ziemlich nerdig, aber spannend, weil man nie weiß, was einen erwartet."
Anna Seibt, Deutschlandfunk Nova

Lyrik ist natürlich ein Nischenprodukt – auch auf dem E-Book-Markt. Es gibt aber einen großen Verlag, der mit spannenden E-Book-Formaten experimentiert: Der S. Fischer Verlag hat den Zeitreiseführer "25 05 2015 – Der letzte Montag im Mai" veröffentlicht. Ein Erzähler beschreibt darin einen Spaziergang durch Berlin. Damit sollen Zeitreisende aus der Zukunft darauf eingestimmt werden, was sie erwartet – deswegen nennt sich das Buch auch Zeitreiseführer. Und dafür setzen die Macher nicht mehr auf linearen Text. Durch einen Klick auf die Schlagworte können Leser in der Geschichte herumspringen. Anders als bei "Cloudpoesie" sind beim Zeitreiseführer die Fußnoten, Fotos und Videos eingebettet und keine externen Links.  Auf Open Street Map kann sich jeder anschauen, wo in Berlin sich der Erzähler gerade befindet. 

E-Book lässt das Handy klingeln

Das dritte spannende E-Book-Projekt, dass unserer Reporterin aufgefallen ist, ist der Thriller "Jelly Bones". Die Protagonistin Flo bekommt Nachrichten von Toten, kryptische Zeichenfolgen, seltsam verzerrte Sprachnachrichten oder gruselige Videos. Sie vermutet ihre tote Freundin Lara dahinter und wird in eine Geschichte voller Gewalt hineingezogen – genauso wie der Leser, der direkt an Flos Erlebnissen teilnimmt. "Jelly Bones" ist fürs Smartphone optimiert – eine Mischung aus Fließtext, in dem in Echtzeit Nachrichten erscheinen, das Handy klingelt oder vibriert. Manchmal sind auch Hintergrundgeräusche zu hören. Obwohl das alles ziemlich leicht zu durchschauen ist, hat sich unsere Reporterin schon ein bisschen gegruselt – gerade, wenn sie das E-Book nachts allein im Bett gelesen hat. Zwischendrin sind auch immer wieder Instagram-Fotos von Flo, der Erzählerin, zu sehen. Sie sind allerdings ein bisschen zu glatt und erinnern an Stockfotos. Trotzdem hatte Anna Spaß beim Lesen.  

Klar ist für Anna aber auch: Die drei E-Books, die sie getestet hat, sind Leuchtturmprojekte und sie musste lange suchen, bis sie sie gefunden hatte. Ihr Fazit: Dafür, dass E-Books schon seit fast zehn Jahren im Gespräch sind, ist die Entwicklung etwas enttäuschend. Und das könnte daran liegen, dass E-Books in Deutschland immer noch nicht richtig angekommen sind. Nach einer Studie des Branchenverbandes Bitcom liest nur ein Viertel der Deutschen digitale Bücher. Und knapp 70 Prozent davon nutzen dafür E-Book-Reader – und mit denen lassen sich die meisten Gimmicks gar nicht nutzen.