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Der Roman "Der Hydrograf" von Allard Schröder handelt von dem jungen Adeligen Franz von Karsch-Kurwitz, der seinem beengten Leben und der arrangierten Ehe für einen Moment zu entfliehen versucht und sich zum Studium der Wellen auf ein Schiff begibt.

Innerhalb von nur zwei Tagen beschließt der junge Adelige Franz von Karsch-Kurwitz, sein Dozentenbüro gegen eine Schiffskabine einzutauschen, den pommerschen Landsitz seiner Eltern gegen den Viermaster "Posen", und die Aussicht auf eine arrangierte Hochzeit mit einer wohlerzogenen jungen Frau gegen eine monatelange Reise ohne Ziel.

Der letzte Ausweg: Hydrograf sein

Eine plausible Erklärung für seine überstürzte Abreise hat er sich vorsorglich zurechtgelegt: Er sei im weitesten Sinne Physiker, genauer betrachtet sei er Hydrograf, und er wolle das Meer studieren und analysieren, die Gesetzmäßigkeiten von Seegang und Wellenbewegung.

Karsch ist nichts, Karsch kann nichts

Franz von Karsch-Kurwitz, kurz Karsch genannt, ist zweiunddreißig Jahre alt, als er sein Problem erkennt. Er denkt sich: Ich bin nichts – nur adelig. Ich kann nichts – nur Haltung bewahren. Karsch ist weder musisch veranlagt noch sportlich. Er ist "Sohn von". Es gibt nichts, worauf er stolz sein kann. Seine Meeresforschungen sind unbedeutend, sein Elternhaus ist ein Gefängnis ohne Gitter, Freunde hat er nicht und seine Hochzeit ist bereits arrangiert. Und dann ist plötzlich diese Frau an Bord, die alle "M" nennen.

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Asta Maris – die Frau in der Kabine sieben

Asta Maris ähnelt keiner der Frauen, denen Karsch bislang begegnet ist – weder einer seines Standes – unterwürfig, wohlerzogen und natürlich adelig, noch einer der Frauen, die in den Bordellen arbeiten, denen er ab und zu beschämt einen Besuch abstattet.

Asta Maris ist nicht greifbar

Diese Frau ist stolz und unnahbar. Karsch verliebt sich sofort in sie. Obwohl sie kommt und geht, wann sie will. Mal spricht sie mit Karsch fröhlich über Belangloses, mal ignoriert sie ihn eiskalt. Von sich gibt sie kaum etwas preis. Nur manchmal zeigt sie mehr von sich, eben dann, wenn ihr Atem nach Alkohol riecht. Wenn sie wie von Sinnen unter Deck durch die Gänge streift und dabei lacht.

Der Zielhafen, der keiner ist

Irgendwann erreichen sie den Zielhafen in Chile. Asta Maris geht von Bord. Und auch Franz von Karsch-Kurwitz geht von Bord. Der Zauber ist vorbei. Und die Pflicht ruft. Karsch weiß, dass er in sein altes Leben zurückkehren muss. Vielleicht gelingt es ihm aber, ein paar Umwege zu finden, bis er wieder dorthin zurückkehren muss.

"Der Hydrograf" (OT: "De hydrograaf") von Allard Schröder, aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzt von Andreas Gressmann, erschienen im Verlag Mare, 204 Seiten (inkl. Anmerkungen; ohne: 202), gebundene Ausgabe (HC): 20 EUR, E-Book: 15,99 EUR; ET: 04.10.2016