In der Vergangenheit gab es oft Befürchtungen in den Medien zu hören, dass sich deutsche Autohersteller dem Thema E-Mobilität zu spät gewidmet hätten. Nun häufen sich Meldungen über neue Batteriefabriken für E-Autos in Deutschland. Große Konzerne aus dem Ausland investieren in Deutschland als Industriestandort. Und deutsche Autohersteller mischen mit und verfolgen eigene Pläne.

Lange war es Standard, dass Batterien für E-Autos aus Japan und China kommen. Die Produzenten in diesen Ländern haben die Kompetenzen und die Erfahrung. Aber 2019 und 2020 häuften sich auf einmal Nachrichten über neue Batteriefabriken in Deutschland. Netzreporter Konstantin Köhler hat folgende Meldungen gesammelt:

  • Tesla baut ein Werk in Brandenburg ein Werk, in dem Autos und Batterien produziert werden
  • Porsche plant eine Produktion für Hochleistungszellen für Sportwagen in Tübingen
  • Der chinesische Hersteller CATL baut eine Fabrik in Thüringen
  • Ein anderer chinesischer Hersteller, Farasis, baut eine Fertigungsstätte in Sachsen-Anhalt
  • Daimler steigert Batterieproduktion für einen Standort in Sachsen
  • BMW plant eine Produktionsstätte in Bayern
  • VW will in Niedersachsen eine Batteriefabrik bauen
  • Der PSA-Konzern will ab 2024 in einem großen Werk in Kaiserslautern Batterien produzieren
  • Der Chemie-Konzern BASF baut eine Produktionsanlage für Batteriekomponenten in Brandenburg

Bei diesen Bauvorhaben handelt es sich um millionen- und milliardenschwere Investitionen der Unternehmen. Die Ausgangslage für diese Entscheidungen, in Deutschland als Standort zu investieren, ist folgende: Laut Statista wird erwartet, dass sich die Anzahl der Neuzulassungen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden weltweit bis 2025 verdreifacht und bis 2030 verfünffacht. Der Markt für Elektroautos dürfte sich also wahrscheinlich stark vergrößern.

Deutschland ist starker Industriestandort

Warum genau Deutschland als Produktionsort gewählt wird, liegt an mehreren Faktoren. Zum einen ist die Bundesrepublik ein starker Industriestandort mit guter Infrastruktur und qualifizieren Fachkräften. Zum anderen zahlen die EU und die Bundesländer hohe Subventionen an die Unternehmen. Ausländische Konzerne suchen zudem die Nähe zu den Autokonzernen in Deutschland und Europa, um ihre Batterien zu verkaufen. Und deutsche Autohersteller sehen eine Chance, sich mit der Produktion eigener Batterien unabhängig zu machen und an den Akkus mitzuverdienen.

"Richtig interessant wird es erst noch, wenn es darum geht, Elektroautos für die breite Masse zu bauen, die auch bezahlbar sind. Und da hat eigentlich noch kein Hersteller auf der Welt mit angefangen."
Konstantin Köhler, Netzreporter

Netzreporter Konstantin Köhler meint, es werde richtig interessant, wenn es darum geht, bezahlbare Elektroautos für die breite Masse zu bauen. In zehn bis 20 Jahren sollte sich dann gezeigt haben, ob Deutschland wirklich den Anschluss in Sachen Elektromobilität verloren hat. Dank der Batteriefabriken scheint Deutschland in seinen Augen gut aufgestellt zu sein.