Deutsche Automobilhersteller haben lange am Verbrennermotor festgehalten. Doch die Mobilität der Zukunft läuft ohne Verbrenner. Um den Anschluss nicht zu verpassen, müssen auch Nachwuchskräfte richtig ausgebildet werden.

Um die Arbeitskräfte und den Nachwuchs richtig auf die Mobilitätswende einzustellen, sind interne Umschulungen, EU-weite Studiengänge und mehr Ausbildungsplätze notwendig. Ohne dieses Know-how drohen die deutsche Industrie und Wirtschaft, den Anschluss zu verlieren.

Der Druck auf die Automobilbranche ist hoch: Die Forderungen nach mehr Klimaschutz werden immer lauter, der E-Autohersteller Tesla baut in Brandenburg eine riesige Fabrik und es gibt Kaufprämien für E-Fahrzeuge, fasst Dlf-Landeskorrespondent für Schleswig-Holstein, Johnnes Kulms, die Situation zusammen.

Unternehmen bilden Angestellte intern weiter

Der Absatz für E-Autos steigt und verschiedene große Unternehmen versuchen auf diesen Trend zu reagieren. Das Automobilunternehmen Porsche bildet laut eigenen Angaben ein Viertel der Angestellten intern in den Bereichen Elektromobilität, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz weiter.

Die Bayerische Motoren Werke lassen derzeit rund 1000 Beschäftigte im Stammwerk in München umschulen, damit diese in Zukunft E-BMWs zusammenbauen können.

"Heutzutage wissen wir natürlich, dass die Elektromobilität eher als System verstanden werden muss. Wir sprechen auch über Inhalte in der Infrastruktur, aber auch wirtschaftliche Themen wie zukünftige Geschäftsmodelle."
Florian Herrmann, Fraunhofer-Institut für Arbeit, Wirtschaft und Organisation, Leiter des Forschungsbereich 'Mobilität und Innovationssysteme'

Aber auch die Kfz-Werkstätten müssen sich umstellen. Seit einigen Jahren schulen sie ihr Personal verstärkt für Reparaturen an Elektrofahrzeugen. Laut dem Verband Deutsches Kfz-Gewerbe bieten fast alle der 37.000 Mitgliedsbetriebe Service für und Reparatuen von E-Fahrzeugen an.

Fachkräftemangel bremst Umstieg auf E-Mobilität

Das reicht allerdings nicht aus: Viele Unternehmen suchten schon jetzt händeringend nach Fachkräften, um Schritt zu halten, sagt Johannes Kulms. Der Zulieferer Conti bemüht sich beispielsweise um Studienabbrecherinnen und -abbrecher, die das Unternehmen intern mit einem eigenen Programm im Bereich Softwarentwicklung schulen will.

Viel Luft nach oben an den Hochschulen

Die Hochschulen haben den Bedarf in der Industrie erkannt, sagt Johannes Kulms. Wer bei seiner Suche nach einem Studiengang den Begriff 'Elektromobilität' in den "Hochschulkompass" eingebe, finde neben einem neuen, EU-weiten Master in Kiel noch ein paar Dutzend andere Bachelor- und Masterstudiengänge in Deutschland.

Lehre hat sich an neu Herausforderungen angepasst

Ging es in Studiengänge zu Elektromobilität vor etwa zehn Jahren noch um den Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor, so sind die Bachelor- und Master-Studiengänge inzwischen viel interdisziplinärer. Im Bereich Elektromobilität geht es nicht mehr nur um Autos, es geht auch um die Elektrifizierung von Stadtbussen, Lastwagen, den Schiffs- und Flugverkehr und die Eisenbahn. Und zukünftig soll auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und anderen Fachrichtungen weiter ausgebaut werden.

Andere Länder stehen der Elektromobilität aufgeschlossener gegenüber

Auch wenn die Industrie und die Hochschulen den Bedarf erkennen und reagieren, zeige sich, dass andere Länder gegenüber neuen Mobilitätstrends deutlich aufgeschlossener sind, sagt Johannes Kulms. Norwegen sei ein gutes Beispiel dafür.

"In Deutschland haben wir immer relativ hohe Hürden, was beispielsweise die Sicherheit oder den rechtlichen Rahmen anbelangt. Das hemmt teilweise auch das proaktive Handeln."
Florian Herrmann, Fraunhofer-Institut für Arbeit, Wirtschaft und Organisation, Leiter des Forschungsbereich 'Mobilität und Innovationssysteme'