Seit einem Jahr kann jeder Mensch auf der Welt E-Este werden. Also eine E-Residency in Estland beantragen. Beliebt ist das vor allem bei jungen Start-ups, weil vieles online geht, wofür der Normalo zum Amt rennen muss.

Das meiste an Bürokratie haben sie ins Internet verlagert, sodass die 1,3 Millionen Bürger des kleinen Landes im Prinzip alles über den PC erledigen können. Esten haben keinen Personalausweis, sondern eine ID-Karte, mit der sie sich bei der Nutzung von mobilen Diensten ausweisen können. Alles geht vom Sofa aus.

"Egal ob sie einen Parkausweis beantragen wollen, ein Unternehmen gründen, die Steuererklärung machen oder wählen, alles geht per Mausklick."
DRadio-Wissen-Autor Alexander Hertel über die digitale Infrastruktur in Estland

Als erstes Land auf der Welt bietet Estland die transnationale, digitale Identität seit einem Jahr für jeden Menschen auf der ganzen Welt an. Das ist natürlich nicht für jeden interessant. Wer aber ein Unternehmen gründen möchte, könnte über diese Möglichkeit einmal nachdenken. Praktisch ist, dass man mit der E-Residency Zugriff auf die komplette digitale Infrastruktur Estlands hat. Wer beispielsweise ein Blog betreibt, das Geld abwirft, kann die komplette Verwaltung aller Dienste online abwickeln. Sprich, der komplette Geschäftsverkehr wird ins Internet verlagert - weil man ja E-Este ist.

Das Land wirbt damit, dass es nur 20 Minuten dauert, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Nach außen klingt das ganz selbstlos. Dahinter steckt aber knallharte Kalkulation. Natürlich will Estland für sich werben und international auf sich aufmerksam machen. Das Land wird von Weltbank und Weltwirtschaftsforum regelmäßig als einer derjenigen Orte eingestuft, in denen sich Geschäfte am einfachsten und effizientesten abwickeln lassen, heißt es in dem Strategiepapier zur E-Residency. Der Präsident der Republik hat außerdem nichts dagegen, wenn die klügsten Köpfe der Digitalwirtschaft nach Estland kommen um dort ihre Firma zu gründen. Vielleicht wächst das Unternehmen ja, und vielleicht werden noch ein paar Mitarbeiter eingestellt, die idealerweise in Tallinn, der Hauptstadt, wohnen.

Einmal Estland, für immer E-Residency

Wer wirklich E-Este werden will, muss zumindest einmal persönlich nach Estland fahren. Sobald man die E-Residency vom Rechner aus beantragt hat, bekommt man eine Bestätigungsmail, in der steht, dass die estnische Polizei jetzt einen Backgroundcheck macht und in vier Wochen dann die Chipkarte bereit liegt. Dann muss der Flug gebucht- und die Karte abgeholt werden. Damit kann man dann von der ganzen Welt aus - über das Internet - auf die digitale Infrastruktur des Landes zugreifen. Die Steuern wandern im Übrigen nicht automatisch nach Estland. Das wolle das Land auch gar nicht. Erst, wenn man mehr als die Hälfte des Jahres dort verbringt.