Sie kommen leise und sie könnten eine Nische im Stadtverkehr besetzen: Elektro-Roller kann man jetzt in ersten deutschen Städten ausleihen.

Car-Sharing-Unternehmen bevölkern die Innenstädte. Mietbikes sowieso und auch mit gemieteten Rollern können wir rumflitzen. Statt auf reguläre Benziner setzen einige Unternehmen hier auf Elektro. DRadio-Wissen-Reporterin Susann El Kassar hat das für uns in Berlin getestet.

Lautlos und mit grünem Strom

Vorreiter-Stadt in Sachen Elektro-Roller ist Berlin. Zwar gibt es diese Art des E-Sharings jetzt auch in Stuttgart, aber in Berlin machen sich sogar zwei Anbieter Konkurrenz. Zuerst war da eMio, ein Start-Up erdacht von drei jungen Gründern, die direkt nach oder sogar noch während des Studiums damit loslegten. Mittlerweile haben sie 13.000 Kunden. Ihre Idee: Die Nische zwischen Fahrrad- und Car-Sharing füllen. Und dabei Elektromobilität voranbringen, "getankt" werden die Roller mit grünem Strom. Sie fahren mit Tauschakkus: Ist der Akku fast leer, wechselt ihn ein Mitarbeiter.

Da die E-Roller nur 45km/h fahren, reicht hierfür ein normaler Führerschein. Den müssen die Interessenten bei der Registrierung vorzeigen. Und dann funktioniert alles wie bekannt: Roller per App suchen, ausleihen, aufsteigen - und danach an beliebiger Stelle parken. Abgerechnet wird nach Kilometern oder nach Minuten. Eine Sache aber ist für E-Neulinge ungewohnt. Die Roller sind extrem leise. Laura, die den Dienst häufig nutzt, sagt, viele Menschen müssten sich erst einmal daran gewöhnen.

"Es ist auch gefährlich, weil einen die anderen Verkehrsteilnehmer nicht so ohne Weiteres wahrnehmen. Man muss sehr aufmerksam sein."
Laura fährt regelmäßig mit dem E-Roller in Berlin

Weert Canzler, Soziologe und Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, sieht dies aber auch als einen Vorteil, da sie weniger Lärm verursachten und zudem im Verkehr abgasfrei seien. Für ihn komplettiert der E-Roller das Ensemble moderner Sharing-Systeme in der Stadt.

"Die Kombination dieser Sharing-Verkehrsmittel könnte, wenn sie gut funktioniert, so attraktiv sein, dass sie das private Auto oder zumindest den Zweitwagen im Haushalt ersetzen kann."
Weert Canzler, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Im Moment bleibt der E-Roller aber eher ein Modell für die Stadt. Im Durchschnitt hat er eine Reichweite von 100 Kilometern, länger hält der Akku nicht. Das reicht für kurze Strecken. Für die Berlinerin Laura ist es dennoch eine gute Alternative zum öffentlichen Nahverkehr. "Man bezahlt in der Regel nicht mehr als für ein Einzelticket bei der BVG", sagt sie.