Der Winter naht und deshalb müssen im Herbst fleißig Vorräte gesammelt werden. Der Eichelhäher geht dabei ziemlich fanatisch zur Sache. Jetzt im Oktober sammelt der Vogel wie ein Verrückter Eicheln. Er legt dabei tausende Verstecke an, die er erstaunlicherweise fast alle wiederfindet.

Bis zu 5000 Eicheln mit einem Gesamtgewicht von fast 25 Kilogramm – das ist der Vorrat, den der Eichelhäher im Herbst anlegt. Und das bei einem Vogel, der selbst weniger als 200 Gramm auf die Waage bringt.

Unglaubliches Arbeitspensum

Die Rabenvögel, die bis zu zehn Eicheln in ihrem Kehlsack verstauen können, verbringen in der rund dreiwöchigen Hauptsammelzeit im Oktober oft bis zu elf Stunden am Tag mit dem Sammeln und Verstecken von Eicheln. Dafür legen sie weite Strecken zurück und sammeln zum Teil kilometerweit entfernt von ihrem Revier.

"In der rund 20-tägigen Hauptsammelzeit im Oktober verbringen die fleißigen Vögel oft bis zu elf Stunden am Tag mit dem Sammeln und Verstecken von Eicheln."
Mario Ludwig, Biologe

Versteckt werden die Eicheln bevorzugt an offenen, nicht allzu feuchten Stellen an Waldrändern oder auf Lichtungen, wo sich Schneedecken weniger lange halten. Mit kräftigen Schnabelhieben graben die Vögel kleine Löcher in den Boden, in dass sie die Eicheln in der Regel einzeln oder in Zweier- oder Dreiergruppen stecken und anschließend mit Laubstreu bedecken. In Ausnahmefällen wurden aber auch schon Verstecke mit bis zu vier Kilogramm Eicheln gefunden. Tausende Verstecke legen Eichelhäher während der Sammelzeit an, von denen sie im Winter viele wiederfinden.

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Was die Vögel zu einem solch beeindruckenden Gedächtnis befähigt, ist unklar. Möglicherweise greift er in eine ähnliche Trickkiste, wie die amerikanische Schwarzkopfmeise, die ebenfalls Futterverstecke für den Winter anlegt. Das nötige Ortsgedächtnis verschaffen sie sich, indem sie im Herbst den Hippocampus, der Teil des Gehirns der für Orientierung zuständig ist, um bis zu 30 Prozent vergrößern.

Wissenschaftler vermuten, dass das jahreszeitliche Wachstum der Nervenzellen durch eine vermehrte Hormonausschüttung angeregt wird. Im Frühjahr lassen die Vögel den Hippocampus aus ökonomischen Gründen dann wieder schrumpfen.

Forstmeister im bunten Rock

Zur Freude der Förster findet der Eichelhäher aber nicht alle Verstecke wieder. Die vergessenen Eicheln können im nächsten Jahr austreiben und damit neue Eichen bilden. Das hat den Vogel den Spitznamen "Förster im bunten Rock" eingebracht. Durch die sogenannte Hähersaat leisten Eichelhäher einen wichtigen Beitrag zur Ausbreitung und Verjüngung des Waldes.

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Neben einem außergewöhnlichen Gedächtnis besitzen Eichelhäher außerdem ein beachtliches Einfühlungsvermögen. Forschende haben beobachtet, dass männliche Eichelhäher ihr Weibchen stets genau mit der Nahrung versorgen, von der sie glauben, dass sie von der Dame ihres Herzens gerade bevorzugt wird. Dabei orientiert sich das Männchen am Fressverhalten des Weibchens. Ein solches Verhalten, das bisher nur noch bei Affen beobachtet wurde, ist für Forscher eine Art Vorstufe zur Empathiefähigkeit.