Vor sechs Monaten gab es den ersten Coronafall in Deutschland. Für Betroffene war das letzte halbe Jahr eine Herausforderung – aber auch für alle Ärzte, die Tag für Tag gegen die Pandemie ankämpfen. Die Zeit sei sehr intensiv gewesen, sagt Oberarzt Thorsten Stein rückblickend.

Etwa sechzig Covid-19-Patienten hat Thorsten Stein bisher behandelt. Manche von ihnen auf der normalen Station, viele mussten aber verlegt werden – auf die Intensivstation, und das häufig in kürzester Zeit, erzählt er. Denn was der leitende Oberarzt und seine Kollegen vom Klinikum Darmstadt am Anfang nicht wussten: Der Zustand von Erkrankten verschlechtert sich oft innerhalb weniger Minuten.

"Wenn man die Patienten fragt: Wie geht es Ihnen? Dann sagen sie häufig bis zum Schluss: Ach, ganz gut. Und das kann dann sehr schnell umschlagen."
Thorsten Stein, Oberarzt

Ein neues Krankheitsbild

Schlechte Sauerstoffwerte, Intensivstation, Beatmungsgerät – oft musste es schnell gehen. Die Anzeichen frühzeitig zu erkennen, sei am Anfang für sein Team eine große Herausforderung gewesen, sagt Thorsten Stein. Denn für alle war es ein neues Krankheitsbild. Niemand hatte Erfahrung damit. Wie sich die Krankheit entwickelt, mussten auch sie erst lernen.

"Wir standen vor einem völlig neuen Krankheitsbild, das keiner kannte."
Thorsten Stein, Oberarzt

Der Druck war groß. Das Krankenhauspersonal kannte die Fernsehbilder aus dem Ausland: Überfüllte Krankenhäuser, fehlende Beatmungsgeräte, viele Tote. Die Sorge ist groß gewesen, sagt er, dass es Deutschland genauso hart treffen könnte. Heute ist Thorsten Stein erleichtert, dass wir in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern bislang relativ verschont geblieben sind.

Die Zahlen steigen wieder

Dass die Zahlen jetzt wieder ansteigen, wie das Robert-Koch-Institut meldet, alarmiere Ärztinnen und Krankenhauspersonal.

"Es scheint wieder anzusteigen und das sehen wir mit Sorge."
Thorsten Stein, Oberarzt

Lange sei es ruhig gewesen auf seiner Station, sagt Thorsten Stein. Zehn bis fünfzehn Verdachtsfälle am Tag, fast immer fiel der Test negativ aus. Seit einer Woche habe aber auch er wieder mehr Patienten, die positiv getestet werden. Für den Arzt sei das natürlich besorgniserregend, aber er bleibe vorsichtig optimistisch – denn medizinisch seien sie mittlerweile gut gerüstet, sagt Thorsten Stein.

Hinweis: Bei dem Bild oben handelt es sich nicht um unseren Gesprächspartner, sondern um ein Symbolbild.