Gordon Holland ist Standesbeamter in Berlin-Schöneberg. Am 01.10.2017, schloss er die erste gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland. Seit der Gesetzesänderung vor einem Jahr haben sich mehr als 10.000 gleichgeschlechtliche Paare getraut.

Nicht nur für Gordon Holland war es das erste Mal, sondern für die gesamte Bundesrepublik: Vor einem Jahr, am 01.10.2017. führt er die Zeremonie für die erste gleichgeschlechtliche Eheschließung im Standesamt Tempelhof-Schöneberg in Berlin durch. 

Der Standesbeamte war ziemlich aufgeregt, erinnert er sich im Interview bei Deutschlandfunk Nova. Denn im Goldenen Saal des Standesamtes sind nicht nur Bodo Mende und Karl Kreile anwesend, die die Ehe eingehen wollen, und deren Gäste. Rund 80 Journalisten aus verschiedenen Ländern sind gekommen, um über das historische Ereignis zu berichten. 

"Es war keine alltägliche Situation: Das Ganze fand bei uns im Goldenen Saal statt und es waren ungefähr 80 internationale Medienvertreter anwesend. So was hat man als Standesbeamter nicht jeden Tag."
Gordon Holland, Standesbeamter in Berlin-Schöneberg
Standesamtbeamter Gordon Holland traut am 01.10.2017 im Rathaus Schöneberg in Berlin Karl Kreile (r) und Bodo Mende. Gleichgeschlechtliche Paare können sich ab heute auch in Deutschland trauen lassen.
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Der Standesamtbeamte Gordon Holland traut am 01.10.2017 im Rathaus Schöneberg in Berlin Karl Kreile und Bodo Mende.

Erst wenige Wochen zuvor, im Juli 2017, war das Gesetz zur "Ehe für alle" verabschiedet worden. Jede Eheschließung muss zuvor angemeldet werden. Im Fall der ersten gleichgeschlechtlichen Ehe Deutschlands war das erst am Morgen kurz vor dem Beginn der Zeremonie möglich. Für Gordon Holland hat das noch zusätzlich zur allgemeinen Aufregung beigetragen. 

"Meine größte Angst war, dass ich mich verhaspele oder verspreche und das Ganze dann überall in den Medien zu sehen ist."
Gordon Holland, Standesbeamter in Berlin-Schöneberg

Das Gesetz sei lange überfällig gewesen, findet Gordon Holland. Und aus Sicht eines Standesbeamten hätte die Unterscheidung zwischen eingetragener Lebenspartnerschaft und gleichgeschlechtlicher Ehe alles nur schwieriger gemacht: Die Zeremonie und das Rechtliche waren so ähnlich, erinnert er sich, dass ein Standesbeamter genau darauf achten musste, sich nicht zu versprechen. 

Über 10.000 gleichgeschlechtliche Eheschließungen in einem Jahr

Seit der Gesetzesänderung vor einem Jahr haben sich über 10.000 gleichgeschlechtliche Paare trauen oder ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln lassen, ergab eine bundesweite Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Standesämtern - genaue offizielle Zahlen gibt es noch nicht.

Die Städte Berlin und Köln stehen dabei laut DPA an der Spitze: In acht von zwölf Berliner Bezirken wurden in den letzten 12 Monaten 1.537 homosexuelle Paare getraut. In Köln waren es demnach insgesamt 1.056 Paare. 18 Prozent aller Eheschließungen in Köln seien damit gleichgeschlechtlich.

Gordon Holland: "Wir haben mit einem größeren Ansturm gerechnet."

Gordon Holland hatte damals allerdings mit einem "größeren Ansturm" für gleichgeschlechtliche Eheschließungen gerechnet, erzählt er. In seinem Standesamt, Tempelhof-Schöneberg, wurden seit der Gesetzesänderung 530 gleichgeschlechtlichen Ehen geschlossen, 345 davon waren Umwandlungen von einer eingetragenen Lebenspartnerschaft zu einer gleichgeschlechtlichen Ehe. Die Zahl der gleichgeschlechtlichen Ehen sei in seinem Amt nicht höher als die Zahl der eingetragenen Lebenspartnerschaften, die geschlossen wurden, bevor das neue Gesetz erlassen wurde, sagt der Standesbeamte aus Berlin-Schöneberg.

"Niemand hier im Standesamt hat irgendein Problem damit. Wir machen keinen Unterschied. Eine Kollege, der das machen würde, hätte es hier auch nicht leicht."
Gordon Holland, Standesbeamter in Berlin-Schöneberg

Mittlerweile sind für Gordon Holland gleichgeschlechtliche Trauungen längst Eheschließungen wie jede andere. Und auch seine Kollegen machten da keinen Unterschied. Die "Ehe für alle", auf die viele jahrzehntelang gehofft hatten und für die viele lange gekämpft haben, ist nach einem Jahr alltäglich - jedenfalls im Standesamt Berlin-Schöneberg.

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