Martin Jäger ist Kriegsveteran. 20 Jahre lang war er mit Leib und Seele Soldat. Er war im Kosovo und in Afghanistan - als Busfahrer für die Truppe. 2003 überlebt er ein Selbstmordattentat. Körperlich ist er unversehrt. Aber seine Seele trägt tiefe Wunden.

Als Martin Jäger 1995 seinen Wehrdienst antritt, hat er das Gefühl: hier bin ich richtig. Er fühlt sich wohl in der Truppe, kann sich gut integrieren und wird gefördert. Nach elf Monaten Grundwehrdienst legt er sein Gelöbnis als Zeitsoldat ab. 1999 und 2001 folgen die Auslandseinsätze im Kosovo. "Eine ganz tolle Aufgabe", findet Martin Jäger. Er hat das Gefühl, dort tatsächlich etwas bewirkt zu haben.

Alltag unter Lebensgefahr

2003 folgt dann der nächste Auslandseinsatz. Diesmal geht es nach Afghanistan. Martin Jäger ist da schon ein erfahrener Soldat. Zwei Wochen wird er in einem Kurs für den Einsatz geschult, nur um in Kabul festzustellen, dass er sich alles andere als vorbereitet fühlt auf das, was ihn dort erwartet.

"Afghanistan hat dann diese andere Qualität, weil sie ständig in Angst leben unter Lebensgefahr. Sie essen unter Lebensgefahr sie gehen auf Toilette unter Lebensgefahr - weil sie ja nie wissen wo ist der nächste Attentäter."
Martin Jäger, Bundeswehr-Veteran

Der 7. Juni 2003 beginnt als ganz normaler Tag. So normal er eben sein kann, wenn ständig Gefahr für Leib und Leben droht. Etwa 30 Soldaten haben ihren Einsatz beendet und sollen zum Flughafen gebracht werden. Sie sollen nach Hause fliegen, nach Deutschland. Martin Jäger entschiedet, dass sie zwei Busse brauchen - einen für die Heimkehrer, einen für ihr Gepäck. Nach drei Kilometern taucht ein Taxi auf - beladen mit 140 Kilogramm Sprengstoff.

"Ich hab nur diese Schreie gehört. Das hört man immer noch auch nach 10 Jahren. Wie Soldaten, wie Kameraden um ihr Leben kämpfen."
Martin Jäger erinnert sich an das Selbstmordattentat in Afghanistan

Es ist das erste große Attentat auf die Bundeswehr auf Afghanistan. Martin Jäger überlebt den Selbstmordanschlag - zumindest körperlich. Der wahre Albtraum folgt danach - und dauert mehr als zehn Jahre. Zehn Jahre, in denen Martin Jäger kämpft. Gegen die Erinnerungen, gegen den Kontrollverlust in seinem eigenen Leben und gegen die Erkenntnis, dass er am 07. Juni 2003 in Afghanistan doch eine Verletzung davongetragen hat. Eine, die man nicht sieht und die vielleicht nie heilen wird.