Für Jury-Präsidentin Meryl Streep war Gianluigi Rosis Doku-Film "Fuocoammare" ("Seefeuer") "das Herzstück der diesjährigen Berlinale". Die Dokumentation des Alltags auf der italienischen Insel Lampedusa gewann den Goldenen Bär, den Preis des besten Films der Festspiele 2016. Ab dieser Woche ist der Film, der gar kein Flüchtlingsdrama sein will, im Kino.

Gianfranco Rosi ist damals gar nicht angetreten, um einen möglichst dramatischen Film zu drehen. Als er 2014 das erste Mal auf Lampedusa war, sollte es nur eine 10-minütige Kurzdoku über den Alltag von Flüchtlingen und Einheimischen auf der gerade mal 20 Quadratkilometer großen Insel werden. Erst vor Ort stellte er fest: das wird nicht reichen.

Zu vielfältig waren die Eindrücke, die auf den Filmemacher auf Lampedusa einprasselten, grausam und verzweifelt auf der einen Seite, voller Hoffnung und Hilfsbereitschaft auf der anderen. So wurden aus geplanten 10 Minuten 108 und ein Dokufilm in Kinolänge. Der oft ohne Worte auskommt und Bilder sprechen lässt, was die wohldosierten aber eindringlichen Dialogpassagen noch akzentuierter erscheinen lässt. Ein Film über Verzweiflung und Nächstenliebe, Hoffnung und Tod.

Außerdem diese Woche neu im Kino: "Die Legende von Tarzan", neu aufgelegt mit Aleksander Skarsgard als Herrn des Dschungels, der hier zu seiner Zeit als Graf in England und damit als erwachsener Mann noch einmal an den Ort seiner Kindheit zurückkehren muss, in sein eigentliches zu Hause nach Afrika. Mit Christoph Waltz - selbstverständlich - als "Bösewicht und Gegenspieler", ob ihm die Wortwahl gefällt oder nicht.

Dazu startet auch "Wiener Dog", ein skuril-bizarrer Episodenfilm über einen Dackel, der aus dem Tierheim erst bei einer stinkreichen aber lieblosen, amerikanischen Familie landet, dann bei einer naiven Tierpflegerin mit Mauerblümchenkomplex (Greta Gerwig), dann einem erfolglosen und gefrusteten Drehbuchautor (Danny DeVito) und zuletzt bei einer grantigen Rentnerin, die sich selbst und die ganze Welt hasst. Gute Ideen und Ansätze treffen hier auf leider zu viel Langeweile dazwischen.